Alle diese Verhältnisse liegen anders beim Dreifuß, und so ist denn auch an diesem Geräte die in Rede stehende Adaptierung sicher vorgenommen worden. Um die Wende des 14. und 15. Jahrhunderts bietet sich uns dafür ein sehr interessanter Beleg in einer Abbildung, die aus einer in der Bodleian Library zu Oxford befindlichen Handschrift des Alexanderliedes entnommen ist. Ich muß mich leider darauf beschränken, dieselbe nach der mangelhaften Reproduktion bei Wright, a. a. O. S. 166 Nr. 112 inFig. 56 wiederzugeben. Man sieht deutlich, wie der Küchenjunge seines Amtes, den Bratspieß zu drehen, in der Weise waltet, daß er denselben auf einen, nachträglich am Dreifuß angebrachten Haken auflegt, während der hinter dem Feuer stehende Koch, wie es scheint damit beschäftigt ist, die bratende Gans zu begießen.
Wann diese Adaptierung des Dreifußes eingetreten ist, kann ich bislang nicht feststellen, ebensowenig, wie weit ihre lokale Verbreitung über England, wo sie durch obige Darstellung bezeugt ist, hinausreichte, wie lange sie sich erhalten hat und ob sie heute noch sich irgendwo findet, bislang ist sie meines Wissens von den modernen Hausforschern noch nicht angetroffen, wenigstens nicht beschrieben worden. So viel dagegen ist sicher, daß sie — wenn überhaupt — heute nur noch sehr vereinzelt gebräuchlich sein kann, denn wirklich durchgedrungen ist die Adaptierung zum Bratspießständer nur an einem einzigen Gerät, nämlich an dem Feuerbock. —
Über die Form des einfachen Feuerbockes und über seine Geschichte habe ich schon Jahrg. 1900, S. 180–184 mich geäußert, und ich kann also hier darauf verweisen. Zugleich möchte ich aber jetzt schon einen, wie mir scheint, nicht unwichtigen Nachtrag dazu geben. Ich habe bei der aus dem Jahre 816 stammenden Erwähnung von: »andedi« und »andenae« in Karls d. Gr. Capitulare de villis keinen sicheren Beweis dafür finden können, daß eins der beiden Geräte ein eisernes sein müsse, da andedus und andena nur eine Scheitunterlage bezeichneten, eine Materialbezeichnung aber nicht in sich trügen. Wegen dieser letzteren Auffassung bin ich inzwischen für den Ausdruck andena doch sehr schwankend geworden, da derselbe in der That eine Bezeichnung für Eisen zu sein scheint. Bei Konrad v. Megenberg findet sich nämlich im »Buch der Natur«, das er genau in der Mitte des 14. Jahrh., in den Jahren 1349 und 1350 schrieb, folgende Angabe (hrsg. Pfeiffer, S. 479, 31): » Ez ist auch ainer lai eisen in den landen gegen der sunnen aufganch, daz haizt andena. daz ist guot ze sneidenden wâfen und læzt sich giezen sam daz kupfer oder daz silber, aber ez læzt sich niht ziehen sam daz gemain eisen «. Demnach möchte ich nunmehr mich dahin entscheiden, daß in dem Capitulare unter andedi die steinernen, unter andenae dagegen die eisernen Feuerböcke zu verstehen sind, und es dürfte dadurch das Eisengerät schon in Karolingerzeit für westfränkische — von romanischem Brauch beeinflußte — Verhältnisse gesichert sein. Die Erkenntnis dagegen, daß es in Baiern nicht viel vor dem 12. Jahrhundert eingedrungen ist, wird davon in keiner Weise berührt.
Bevor wir nun auf die bezeichnete Erweiterung des Feuerbockes eingehen, müssen wir uns über das Vorkommen und die Verwendung desselben in seinen beiden früher geschilderten verschiedenen Formen klar werden. Herr Prof. Meringer hatte die Freundlichkeit, mir seine Anschauungen darüber brieflich mitzuteilen und da dieselben den meinigen völlig entsprechen, so darf ich seine Worte hier wiedergeben. Er schreibt: »Heute scheint die Sache so zu stehen, daß nur der Kamin beide Feuerrösser erhalten hat, nicht aber der »oberdeutsche« offene Herd. Es wäre interessant zu wissen, ob irgendwo in den romanischen Kaminländern man sich mit einem Bocke behilft. Wo sich bei Deutschen oder Slaven kaminartige Herde (d. h. Herde mit Feuermantel, Rauchhut und darüber aufgesetztem Schornsteine) finden, da begegnete mir doch immer nur ein Feuerbock... Wo (im Kamin) ein Bock blos vorhanden war, da scheint er quer vorne im Kamin gestanden zu sein, wie z. B. der prächtige Riesenbock im Besitze des Grafen Hans Wilczek sen., den ich Mitt. d. Anthrop. Ges. Wien XXV, S. 57 abgebildet habe, der wohl gewiß keinen Bruder hatte. Im Kamine dürfte die Regel gewesen sein: zwei dreibeinige nach innen gestellte Böcke oder ein vierbeiniger quer gestellter«[97].
Immerhin sind die Akten über diese Frage noch nicht geschlossen, wie mir in den letzten Tagen ein deutliches Beispiel erwiesen hat. Das neueröffnete Museum in Altona nämlich führt in der aufgestellten Ostenfelder Diele auch den zugehörigen Herd mit Gerät vor (abgebildet in der »Festschrift zur Eröffnung des Altonaer Museums« 1901 S. 59 oder kleiner auch in den betr. Heften des »Daheim« und der »Gartenlaube«). Dort steht auf dem Herde ein dreibeiniger Bock mit hohem Bügel, der sehr auffällig ist, und über den ein so guter Kenner wie Prof. Meringer mir schreibt: »Gewiß scheint mir zu sein, daß der Bock zu dem Herde und zu dem (niedersächsischen!) Hause gar nicht gehört. Er ist vor allem für den Herd viel zu groß.« Der Direktor des Museums Herr Dr. Lehmann hatte aber die Güte, mir mitzuteilen, daß der aus Winnert bei Husum stammende Bock in der That nach der Angabe eines durchaus zuverlässigen Gewährsmannes auf dem freien Herde in Gebrauch gewesen sei. — Wenn nur der dreibeinige Bock dort als Herdgerät erscheint, so wüßte ich zunächst keinen anderen Ausweg, als an direkten Import aus einem Kaminlande zu denken, wobei die gerade in jener Gegend angesessenen Holländer als Vermittler anzusprechen wären. Die Frage des Größenverhältnisses zwischen dem Altonaer Herd und Bock ist damit freilich noch nicht gelöst, und ich kann mich hier leider nur darauf beschränken, das wiederzugeben, was Herr Direktor Dr. Lehmann mir über den Herd freundlichst geschrieben: »Der Herd in unserer Diele hat die Maße: 0,68 m breit, 1,20 m lang, 0,60 m hoch, und sind mir diese Maße von einem alten Töpfer angegeben, der in seiner Jugend solche Herde in der Provinz viel gesehen und auch abgebrochen hat. Ein Muster in natura habe ich in der Provinz nicht mehr finden können und war daher auf die Mitteilungen des Töpfers angewiesen.« —
Hierbei bemerke ich nochmals, daß es bislang noch immer den Anschein hat, als ob am deutschen Feuerbock Dreibeinigkeit und Einbüglich keit immer zusammen auftreten, wenigstens wurde meines Wissens noch kein vierbeiniger deutscher Bock mit nur einem Bügel aufgefunden. Zwei sehr interessante derartige vierbeinige Böcke hat Meringer in Mostar angetroffen und in seinem Aufsatz »Das volkstümliche Haus in Bosnien und der Herzegovina«, Sonderabdr. S. 41 Fig. 87 abgebildet. Ob dieselben, indessen auf oberdeutschen Einfluß zurückzuführen sind, scheint mir mindestens noch zweifelhaft zu sein.
Die Feuerböcke wurden nun in wohlhabenden Verhältnissen vornehmer ausgestattet. Das Material blieb zwar fast immer Eisen, aber auch hier haben wir einen interessanten Beleg dafür, daß fürstliche Ausstattungen silberne Feuerböcke sich leisteten. Im Jahre 1608 kaufte König Christian IV. von Dänemark einem Hamburger Juden zwei derartige Prunkstücke ab, deren Wert durch den Preis von 1850 Thalern genügend klargestellt ist. Der betreffende Vermerk findet sich als Eintrag in des Königs Schreibkalender vom 17. November 1608: »Gav Jacob Moritzsön udi Hamborg for tvende Sölv Brandjern 1850 Dlr.«[98]
Dieser hohe Preis der beiden Stücke kann nicht nur durch das edle Material bedingt worden sein, er muß vielmehr auch in der künstlerischen Ausstattung seinen Grund gehabt haben. In der That sehen wir, daß die Feuerböcke ziemlich früh nach dieser Seite hin eine Veredelung erfahren. Ich habe schon in Fig. 17 ein derartig verziertes Stück abgebildet, und ebenso gehören die betr. Stücke bei Havard, a. a. O. I, 76; I, 818 ff. und III, 239 und bei Vict. Gay, Glossaire archéologique (Paris 1887) I, 362 (Artikel »Chenet«) hierher, die ich noch durch den Hinweis auf ein im South Kensington Museum befindliches sehr schönes italienisches vermehren möchte[99]. Eine Reihe verzierter Feuerböcke finden sich endlich abgebildet bei Meringer, Mitt. d. Anthrop. Ges. Wien XXV, 57 ff. Fig. 97–101, unter ihnen das bereits erwähnte Stück aus dem Besitze des Grafen Wilczek, welches mit seinen beiden Seitenbügeln in zwei sehr graziöse Hirschköpfe ausläuft. Mit diesem letzteren nahe verwandt, in der Form zwar bei weitem nicht so fein, aber immerhin reichlich interessant, ist ein Exemplar, welches sich früher im Besitze des Herrn Georg Hirth in München befand[100], dessen freundlichem Entgegenkommen ich es verdanke, daß ich es inFig. 57 abermals abbilden kann. Obwohl aus dem Bilde nicht deutlich ersichtlich, konnte es für den Kenner von vorn herein nicht zweifelhaft sein, daß es sich um ein vierbeiniges Stück handelt, welches quer in den Kamin gestellt wurde, dessen vorderen Rand gegen das Zimmer hin gewissermaßen begrenzend. Herr Hirth hat mir das gütigst bestätigt, leider konnte er aber weder über die Herkunft noch über den jetzigen Besitzer eine Angabe machen. Die Höhe beträgt 67, die Länge 65 cm.
Fig. 57. Feuerbock mit Hirschköpfen, Höhe 67 cm., Breite 65 cm.
Früher im Besitz des Herrn Georg Hirth in München.
Alle diese erwähnte Ausstattung nun aber ist lediglich Verzierung und betrifft wohl meist den Feuerbock als Kamingerät, wie z. B. Joh. Karl Gottfr. Jacobsons technologisches Wörterbuch I, 274 von den »Brandböcken« ausdrücklich sagt: »die, so man in die Kamine stellt, pflegen an dem vordern Ende mit messingenen Kugeln und andern Figuren verzieret zu sein.« Daß dies indessen auch am Feuerbock als Herdgerät sich findet, ersehe ich aus einem Aufsatz »Das westfälische Bauernhaus«, in welchem J. B. Nordhoff (»Westermanns Monatshefte« 1895 Bd. 78, S. 241) berichtet: »Über dem Feuer hiengen an dem »Wendebaum« (Wendsuse) als Topfhalter (Hoal) lange sägeförmige Eisenplatten mit Messingknöpfen, eingeschlagenen Ornamenten und Schriften; am Boden standen schwere Feuerböcke (Brandruten), worauf ein knorriges Holz (Knuppen) verglomm. Sie endigten vorn oft in einem starken Tier-(Löwen-)Körper, welchen der Verfasser in seiner Kinderzeit wieder und wieder hockend umklammerte, um sich am Feuer zu erwärmen.« Jene Verzierungen aber hatten mit der Herrichtung des Feuerbockes zum Bratspießlager durchaus nichts zu thun. Auf diese letztere richten wir nunmehr unsere Blicke.