Die Tiere in der deutschen Volksmedizin in alter und neuer Zeit. Von Johannes Jühling. Mit einem Anhange von Sagen etc. Mittweida. Polytechnische Buchhandlung. (1900.) 8. 355 SS.
Verfasser vereinigt in einem stattlichen Bande die Ergebnisse seiner eifrigen Sammelthätigkeit auf dem Gebiete der Volksmedizin mit Beschränkung des Stoffs auf tierische Produkte verwertende Rezepte. Zu diesem Zweck hat derselbe eine nicht geringe Zahl volkskundlicher Bücher und Zeitschriften ausgiebig benutzt und gleicherweise einschlägige Handschriften der Dresdner kgl. öffentl. Bibliothek verwertet (Quellennachweise S. 347–55). Das mit einem Geleitworte des Verfassers des »deutschen Krankheitsnamen-Buchs«, Hofrat Dr. Höfler, bedachte Buch bietet der volkskundlichen Forschung ein willkommenes Nachschlagebuch, der Geschichte der Medizin eröffnet es eigentlich erst mancherlei bisher zerstreutes und verstecktes Material.
H. H.
Die Provinz Bayreuth unter französischer Herrschaft (1806–1810). Von Baron Camille de Tournon. Übersetzt und bearbeitet von Ludwig v. Fahrmbacher, Wunsiedel. G. Kohler. 1900. 8. 117 SS. nebst einer Übersichtskarte in Farbendruck.
Zur Geschichte der drei Jahre, in denen das Bayreuther Land dem Napoleonischen Kaisertum unterstand, liefert der kgl. Regierungsdirektor v. Fahrmbacher einen trefflichen Beitrag durch seine Übersetzung der »Statistique de la province de Bayreuth« des damaligen Intendanten der Provinz Baron Camille de Tournon. Gewiß: der Wissenschaft wäre mit der Veröffentlichung der in der Bayreuther Kanzlei-Bibliothek verwahrten Originalhandschrift fürs erste mehr gedient gewesen, allein nach der Lektüre des liebenswürdigen Werkchens wird man sicher dem Bearbeiter Dank wissen, daß er es so einem größeren Leserkreis zugänglich gemacht hat. Die Denkschrift des feingebildeten Franzosen, der nicht nur das aktenmäßige Material geschickt zu verwerten gewußt, sondern auch auf Inspektionsreisen offenen Auges, mit herzlicher Teilnahme für alles, in Stadt und Land sich umgesehen hat, darf in der That mehr als ein blos geschichtswissenschaftliches Interesse beanspruchen. Seine Darlegungen zu allen Zweigen der Verwaltung, die Behandlung rechtlicher, volkswirtschaftlicher und kulturgeschichtlicher Dinge lassen uns die vielseitigen Kenntnisse des Verfassers bewundern. An dieser Stelle sei nur noch auf seine interessanten Ausführungen über die Eigenart der Bewohner des Bayreuther Landes nach Körperbeschaffenheit, Sitte, Brauch und Tracht (S. 19 ff.) hingewiesen.
H. H.
Die deutsche Flotte, ihre Entwickelung und Organisation. Von Reventlow. Zweibrücken, Pfalz. Fr. Lehmann 1901.
Dieses, von einem erfahrenen Marineoffizier geschriebene Buch wurde uns jüngst von dem Verleger geschenkt. Darum nennen wir es hier, mehr um uns dankbar zu erweisen, als weil es seinem inneren Wesen nach Anspruch darauf hätte in diesen Mitteilungen besprochen zu werden. Ein wissenschaftliches Buch ist es nicht. Es will dies auch gar nicht sein, sondern es wünscht dem angehenden Marinesoldaten und Unteroffizier eine praktische und übersichtliche Einführung in die Geschichte, Ausrüstung und Bewaffnung der deutschen Flotte zu geben. Als Instruktionsbuch wird das mit zahlreichen und für diesen Zweck hinreichenden Abbildungen versehene Werk seine guten Dienste thun.
U. E. Sebald, Nürnberg.