Aus Georg Brentels Vorlagen zu Sonnenuhren (vgl.Nr. 3 im Text ). Zierleiste von Virgil Solis.
HERD UND HERDGERÄTE IN DEN NÜRNBERGISCHEN KÜCHEN DER VORZEIT.
VON DR. OTTO LAUFFER.
III.
Ein unstreitig sehr altes Herdgerät ist der Dreifuß (lat. tripus[10] ), der auch — soviel ich sehe — schon früh bei allen germanischen Stämmen gleichmäßig in Gebrauch war. Seine Form geht im letzten Grunde zurück auf drei einfache, in den Boden gerammte Pfähle, zwischen denen das Feuer entfacht wurde, und die oben den Kessel zu tragen hatten. Diese einfachste Art wurde noch in historischer Zeit von den Angelsachsen angewandt, wie das aus einer Handschrift von Alfrics Genesis entnommene Bildnis eines angelsächsischen Koches beweist, welches wir inFig. 18 nach Wright a. a. O. 38 wiedergeben. Indessen ist es wohl kein Zweifel, daß man schon frühzeitig dazu gelangte, den Dreifuß als frei bewegliches Gerät zu verwenden, indem man die oberen Enden der drei Beine mit einander verband, was vielleicht zuerst dadurch geschah, daß man sie in eine völlig geschlossene Metallplatte einfügte. Daß diese Art thatsächlich noch im 14. Jahrhundert sich gefunden habe, glauben wir aus einer Stelle des öfter zitierten »Buches von guter Speise« S. 15/16 schließen zu müssen, welche sagt: »Nim ein gans,... stecke sie in einen irdenen hafen,... setze sie uf einen drifuz, der unden offen sie,« und wenn man dem Grundsatze folgen will, die minder praktische Art, auch für die ältere zu halten, so müßte man wohl in dem oben geschlossenen Dreifuß, über den wir leider nichts weiteres mitteilen können, eine ältere Form erblicken als in dem noch heute üblichen Dreifuß, der nur aus einem Ringe oder Dreieck mit drei Beinen besteht.
Fig. 18. Angelsächsischer Koch mit Kessel und Dreifuß.
Dieser letzteren Art gehören diejenigen von C. und D., sowie der von Hans Paur, Abt. 7 dargestellte an, die allerdings alle sich durch die Form und Stellung der Beine etwas von einander unterscheiden. Auch der große Dreifuß von F. (vgl.Fig. 19 ), der auf dem Fußboden der Küche stehend sich noch über die Höhe des Herdes erhebt und wohl für den Waschkessel berechnet ist, zeigt eigentlich nur die vervollkommnete Gestalt des einfachen Ringdreifußes[11].
Fig. 19. Dreifuß von F.
Ehe wir nun auf die formale Erweiterung und Ergänzung desselben eingehen, kehren wir noch einmal zu der oben geschilderten einfachsten Art mit den drei Pfählen zurück und machen darauf aufmerksam, daß die Entwicklung zum selbständigen Gerät nicht der einzig mögliche Fortschritt war. Es konnten ebenso gut die drei Stützen eine Verbindung mit dem darüber gestellten Kochgerät eingehen, und dieses ist in der That geschehen. So begegnen wir denn Pfannen und Töpfen, die auf eigenen Beinen stehen (vgl. Fig. 2 und 3), selbst Hängekessel sind mit ihnen versehen, wie z. B. ein in der Küche des Museums befindlicher mit der Jahreszahl 1596 gezeichneter Bronzekessel [H G 2143], der in der Form durchaus an die mittelalterlichen drei- oder auch vierbeinigen Kessel erinnert, die aus zahlreichen Märtyrerdarstellungen zur Genüge bekannt sind.
Die technisch größere Schwierigkeit mag es veranlaßt haben, daß man in manchen Gegenden nicht dazu gelangte, auch irdene Gefäße mit Beinen zu versehen, und daß man diese Erweiterung nur am Metallgerät vornahm[12], allein diese Frage fällt nicht mehr in den Rahmen unserer Untersuchung, weil die betreffenden Geräte nicht mehr zum Herdgerät gezählt werden können. Wir mußten hier nur deshalb darauf zu sprechen kommen, damit sich nicht die Meinung einschleiche, als seien diese mit Beinen versehenen Gefäße aus einer Vereinigung des Dreifußes und des einfachen Gefäßes entsprossen.