Th. H.
St. Ulrich, Graf von Kyburg-Dillingen, Bischof von Augsburg (890–973). Ein hehres Lebensbild aus dunkler Zeit. Quellenmäßig untersucht und dargestellt von Ulrich Schmid. Augsburg, 1901. — Buchhdlg. Mich. Seitz.
Ohne weiter auf die historische Frage, welche vorliegendes Buch behandelt, einzugehen, nachdem dies schon an anderer Stelle geschehen ist (vgl. Beilage z. Augsburger Postzeitung, 16. März 1901), sei uns gestattet, einige Bemerkungen zu machen über die Methode der Darstellung. Das Buch wird in seiner vorliegenden Gestalt mehr an einen großen Leserkreis, als an die historische wissenschaftliche Welt appellieren müssen, da es in seinen Resultaten und auch in seiner Methode nicht immer den geschulten Historiker befriedigen wird. Ganz besonders muß hervorgehoben werden der fast gänzliche Mangel an Angaben von Quellen. Wo diese zitiert werden, geschieht dies meist in ungenügender Form, z. B. bei den M. G. ohne Angabe der Abteilung und des Bandes. Gerhart, der in sehr vielen Fällen der Gewährsmann unseres Verfassers gewesen zu sein scheint, hätte unbedingt öfter nach der Druckausgabe zum Texte zitiert werden müssen. Störend wirkt an manchen Stellen die Unterbrechung des inneren Zusammenhanges durch Einstreuung allgemeiner Bemerkungen über Gegenstände, welche dem Gebiete der Diplomatik, Heraldik etc. angehören. Gerade die scharfe Scheidung dessen, was in die Anmerkung gehört, vom Texte, ist eines der vorzüglichsten Mittel, die Lektüre eines wissenschaft lichen Buches angenehm zu machen und das Verständnis zu erleichtern. — Wiedergaben von Abbildungen aus Handschriften, wie z. B. die Abbildung des heiligen Ulrich in einer alten Handschrift (diese hätte näher bezeichnet werden sollen) in der Stiftsbibliothek zu Maria-Einsiedeln, sind im Lichtdrucke nach einer Photographie, nicht nach Abzeichnung beizugeben. Ebenso hätte der Grundriß der Burg Kyburg in besserer technischer Stilisierung erscheinen sollen.
Im übrigen zeugt die Arbeit für den großen Fleiß und das rege persönliche Interesse des Verfassers für das Thema, was uns hoffen läßt, daß derselbe sich noch weiter mit dieser historischen Frage beschäftigen wird, um zu einem völlig historisch gesicherten Resultate zu gelangen. Doch auch in der vorliegenden Form empfehlen wir schon das Erstlingswerk des Verfassers, indem das Buch vielfach neues bringt und auch in weiteren Kreisen Interesse und Nachforschung über St. Ulrich erwecken wird.
Dr. Kn.
Die Leipziger Kramer-Innung im 15. und 16. Jahrh. — Zugleich ein Beitrag zur Leipziger Handelsgeschichte. — Herausgegeben von der Handelskammer zu Leipzig. Verfaßt von deren Bibliothekar Siegfried Moltke. Leipzig, Verlag der Handelskammer, 1901.
»Mit großem Fleiße hat der Verfasser vorliegenden Buches, aus den vergilbten Blättern des alten Leipziger Kramerbuches und aus Kramer-Urkunden ein lebensfrisches Bild von Sitten und Gebräuchen des deutschen Innungswesens im Mittelalter herausgeschält. Das Buch rechtfertigt auch in vollem Maße die Erweiterung seines Titels »Beitrag zur Leipziger Handelsgeschichte«, denn es bringt zahlreiche neue Nachrichten über den Leipziger Handel selbst und berichtigt an vielen Stellen herrschende irrige Ansichten auf diesem Gebiete.
Gerade der Umstand, daß der Stoff einer Handelsgenossenschaft in der, durch ihre Messe berühmten Handelsstadt Leipzig angehört und sich großen Teils auch neuem urkundlichen Material des reichen L. Kramerarchives aufbaut, macht das Buch bemerkenswert und instruktiv für die Geschichte des deutschen Kleinhandels im Mittelalter überhaupt. Es zeigt uns den »Kramer« bei der Arbeit und in seinen Mußestunden, wo es ihm des öfteren sehr gut gegangen zu sein scheint, in Freud und Leid, im Frieden, aber auch im Kriege. Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die sorgfältigen Ausführungen über die Warenkunde und die reichhaltige Anlage von Textwiedergaben aus dem ältesten Kramerbuche von 1477.
Es ist ein gutes Stück deutschen Städtelebens das uns hier geboten wird, und es kann das Buch daher nicht nur der gelehrten Welt, sondern auch ganz besonders dem gebildeten Kaufmannsstande warm empfohlen werden.«
Dr. Kn.