Fig. 46. Zwei Bratspießlager aus gebranntem Thone. Im Besitze des Historischen Vereins in Regensburg.
Diese Stücke lassen die in die obere Kante eingesetzten Rillen ja deutlich erkennen, in die der Bratspieß eingelegt wurde. Die durchgeschlagenen Löcher, von denen das verzierte Regensburger Stück eines, das des Germanischen Museums aber drei aufweist, dienen dazu, die untere Spitze des Spießes aufzunehmen und dessen Verrutschen beim Drehen zu verhindern. Das erste Regensburger Stück hat freilich kein solches Mittelloch, aber Herr Archivrat Will hatte die große Freundlichkeit, mir nach meinen Fragen mitzuteilen, daß die übrigen fünf von den sechs Regensburger Stücken Mittellöcher haben. Von den sechs Stücken zeigt ein jedes Verschiedenheiten von den anderen, sodaß keine zwei als zusammengehörig erscheinen und also auch nicht — wie ich zunächst annehmen wollte — paarweise verwandt worden sein mögen. Noch weniger aber läßt sich mit den Regensburger Stücken nachweisen, daß bei jenem vermuteten paarmäßigen Gebrauch etwa ein Stein mit und einer ohne Mittelloch zusammen in Verwendung gewesen wären.
Die Herstellung der in Thon gebrannten Stücke lag offenbar in den Händen der Ziegelbrenner, und wir sehen, wie dieselben bestrebt waren, dem einfachen Gerät auch einen gewissen äußeren Schmuck zu verleihen, wir können sogar von einem zweiten Regensburger Stücke sagen, daß es aus derselben Werkstatt wie das von vorn abgebildete stammt: auch zu seiner Verzierung ist der Löwenmodel dreimal verwandt, während außerdem an ihm noch viermal der Model eines liegenden Hirsches im Eichenkranze eingedrückt wurde, sodaß uns dadurch zugleich ein gewisser Einblick in den Modelvorrat des betreffenden Zieglers eröffnet wird. —
An Stelle des Steines tritt nun das Eisen, und zwar erscheint zunächst eine Form des eisernen Bratspießständers, die offenbar in unvermittelter Anlehnung an das Steinlager entstanden ist. Zufälliger Weise ist aber das einzig mir bekannt gewordene derartige Exemplar kein altes, sondern J. R. Bünker hat es erst vor wenigen Jahren in einem siebenbürgisch-sächsischen Bauernhause in Schönbirk gefunden. Man sieht daraus, wie vorsichtig man gerade bei diesen Stücken mit der Datierung sein muß und wie gelegentlich in einer Gegend eine offenbare Übergangsform fest wird, so daß dort das betreffende Gerät die weitere, an anderen Orten sich vollziehende Entwicklung nicht mehr mitmacht. Ich gebe das erwähnte Exemplar, welches Bünker in den Mitt. d. Anthrop. Ges. Wien 1899, Bd. XXIX, S. 210, Fig. 64 abgebildet hat, und dessen Zusammenhang mit dem steinernen Vorgänger ja absolut deutlich ist, inFig. 47 wieder.
Fig. 47. Eiserner Bratspießständer
aus einem siebenbürgisch-sächsischen
Bauernhause in Schönbirk. Fig. 48. Bratspießständer aus
dem Puppenhause D.
Wann der Materialwechsel vom Stein zum Eisen erfolgte, ist mir bislang nicht klar, jedenfalls aber ist er ebenso wie beim Feuerbocke an den verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten eingetreten. Wenn die oben auf den Bratspieß gedeutete Stelle aus Tuchers Haushaltungsbuch S. 132, wo von »2 eißen, iedes mit — hacken czum pratten in der küchen« die Rede ist, etwa den Bratspießständer meinte, dann wäre derselbe ja freilich schon für das Jahr 1516 als eisernes Gerät in Nürnberg bezeugt, indessen das bleibt fraglich. Auch ob die von Marperger a. a. O. S. 652 genannten »Brat-Böcke« von Stein oder Eisen waren, müßte die norddeutsche Lokalforschung erst feststellen, wenngleich wohl das letztere anzunehmen ist.
Fig. 49. Bratspießständer aus dem Puppenhause F.
Die Form des Bratspießständers vereinfachte sich dann zu einer einfachen Eisenstange, an der beiderseitig angesetzte Eisenhaken und oben auf der Spitze zwei lyraförmig gegeneinander gestellte ähnliche Haken die Lager für die Bratspieße bilden. Meringer, a. a. O. XXIII, S. 149 hat in Fig. 99 und 100 zwei solche Ständer aus Admont abgebildet, und auch in Nürnberg müssen sie häufig gewesen sein. Schon auf unseren Figuren 1 bis 3 traten sie uns entgegen, wobei das Exemplar auf Fig. 3 von dem, wie wir sahen, auch sonst nicht zuverlässigen Zeichner nur mit zwei Beinen bedacht ist. Ferner sind sie uns in den Puppenhäusern D. und F. begegnet in zwei Exemplaren, die inFig. 48 und49 zur Darstellung kommen[93]. Diesen schließt sich an eine Reihe von Stücken, die sich in der Küche des Museums finden, nämlich H. G. 1186 (Fig. 50 ), leider unbekannter Herkunft[94], und ein gänzlich unbezeichnetes Exemplar, welchesFig. 51 darstellt. Ebenda befindet sich ein solcher Ständer mit einem schweren Eisenstück als Fuß (Fig. 52 ), zu dem dann zuletzt vielleicht auch noch das Stück mit einer gleichen Eisenplatte als Untersatz und mit dem in der Zahnschnittreihe laufenden Haken (Fig. 53 ) gehört.
Fig. 50. Bratspießständer in der Küche
des Museums. Höhe: 32 cm. Fig. 51. Bratspießständer in der Küche
des Museums. Höhe: 42 cm.
Bei diesem letztgenannten Exemplar ist es aber doch wohl wahrscheinlicher, daß es als Lampenständer diente, wobei die Höhe des in den Haken eingehängten Lämpchens durch den Zahnschnitt reguliert werden konnte. Es ist sogar möglich, daß der obengeschilderte Bratspießständer — wenigstens in manchen Gegenden — zugleich auch als Lampenständer gebraucht wurde. Heyne a. a. O. I, S. 284 Fig. 81 bildet nämlich unter dieser letzteren Bezeichnung ein Gerät aus der städtischen Altertumssammlung in Göttingen ab, welches fast völlig unserer Fig. 50 entspricht, und das ich deshalb auch für einen Bratspießständer halten wollte. Auf mein Befragen teilte mir jedoch Herr Geheimrat Heyne freundlichst mit, daß das fragliche Gerät durch den Stifter, einen auch mir bekannten, durchaus zuverlässigen Mann, sicher als »Lichtwocke« bezeugt ist. Es fragt sich also, ob hier zwei ähnliche Haushaltsfunktionen selbständig jede für sich genau dasselbe Gerät entstehen ließen, oder ob ein Gerät zwei verschiedenen Zwecken zugleich dienstbar gemacht worden ist. In dem letzteren Falle dürfte der Dienst als Lichthalter wohl der secundäre sein, wie auch an vielen anderen Geräten Vorrichtungen zum Halten des Kienspahnes nachträglich angebracht sind (vgl. Fig. 27)[95].