[4] De apium mellisque apud veteres significatione et symbolica et mythologica. Berolini 1893. In das philologische Gebiet gehört ausserdem seine Herausgabe der 2. Auflage von Abels "deutschen Personennamen", Berlin 1889.
Eine Zeit lang zeichnete er neben den Universitätsstudien auf der Berliner Kunstakademie, weil ein der Familie befreundeter Maler Portraitiertalent bei ihm entdeckt haben wollte. Diesen Versuch gab er bald auf; denn Neigung und Talent zogen ihn mächtig zur Poesie. Er übte und verstand die Kunst, Verse aller Art zu schmieden. Schon bei seiner Arbeit über die Bienen übertrug er für sich das 4. Buch von Virgils Georgica in deutsche Jamben, dann machte er sich daran, die Elegieen des Theognis in Reimen nachzudichten; Versuche aus dem Englischen schlossen sich später an, bis ihm zuletzt, am Ende seines Lebens, auf diesem Gebiete ein Meisterwerk gelang: die Übersetzung der "Gedichte des Michelangelo Buonarotti", die erst nach seinem Tode erscheinen konnte (Berlin 1896).
Durch unausgesetzte Beschäftigung mit der deutschen Litteratur erwarb er sich eine aussergewöhnliche Belesenheit. Gute Bücher las er immer wieder und übte sein an sich starkes Gedächtnis durch Auswendiglernen. In Lessings Werken fühlte er sich zu Haus, so dass er getrost die 9. Auflage von Stahrs Biographie des Dichters besorgen konnte. Aber am vertrautesten von allen Dichtern war und blieb ihm Goethe, "sein Tröster, der, aus Sturm und Drang zur Weisheit gekommen, der Menschheit ein Meer von Schönheiten erschuf". Auch Heine gehörte zu seinen Lieblingen, weil ihn dessen Schreibweise bezauberte und sein Schicksal rührte. Gern wandte er die Mahnung dieses Dichters: "Baue dein Hüttchen im Thal!" auf sich selbst an. Schon der Umstand, dass Heine nach den Musikkatalogen der am häufigsten komponierte deutsche Lyriker sein soll, genügte ihm, um ihn zäh gegen alle Angriffe zu verteidigen. Die schöne Schrift "Goethe in Heines Werken" (Berlin 1883) darf als die reifste Frucht seiner liebsten Studien bezeichnet werden.
Unter den deutschen Prosaikern standen die tiefinnerlichen Humoristen seinem Herzen am nächsten. Scherrs "Michel", Kellers "Grüner Heinrich", Vischers "Auch Einer", Roseggers "Waldschulmeister" und Reuters "Stromtid" waren ihm unentbehrliche Bücher, am unentbehrlichsten der grüne Heinrich.
Im Februar 1877 trat Robert-tornow noch von Pommern aus in nähere Beziehungen zu Büchmann und den "Geflügelten Worten". Damals begann er dem Verfasser Stoff zuzusenden; beide wechselten dann während dreier Jahre in steigendem Einverständnisse Briefe und wurden endlich Freunde, als Robert-tornow i. J. 1880 mit seinen Eltern nach Berlin übersiedelte[5]. Vier Jahre später starb Büchmann, aber er hatte sein Werk bereits ganz in die Hände des Freundes gelegt. Auch hätte er keinen passenderen Nachfolger finden können. Denn Belesenheit und Gedächtniskraft, Sprachgefühl und Geschmack, Arbeitslust und Musse, alles fand sich zusammen, um diesen für das verantwortungsvolle Amt geschickt zu machen.
[5] In das Haus seines verstorbenen Onkels Ferdinand Robert-tornow Er schilderte das originelle Heim dieses seiner Zeit berühmten Sammlers und Kunstkenners in einer formvollendeten Monographie. Vgl. deutsche Rundschau XVII, Dezember 1890.
Wie der Ährenleser dem Schnitter, so folgte Robert-tornow Büchmann nach und sammelte mit demselben Fleisse, den er an seinem Vorgänger neidlos pries. Stillschweigend besserte er das Vorhandene und führte die schon von Büchmann angestrebte chronologische Anordnung des Stoffes innerhalb der einzelnen Kapitel durch. Das reizvolle Kapitel "Geflügelte Worte aus Sagen und Volksmärchen" ist sein Werk; im ganzen buchte er 730 neue Citate und Ausdrücke. Ausserdem arbeitete er ein umfangreiches, durch die Fülle der Schlagwörter nahezu untrügliches Register aus, um die Benutzung des Buches so bequem wie möglich zu machen. Endlich gelang ihm, was dem verdienstvollen Begründer trotz aller Mühe nicht hatte gelingen wollen, nämlich eine feste Definition für den Begriff eines geflügelten Wortes in sprachwissenschaftlichem Sinne, die genau mit Büchmanns Absichten übereinstimmt ([s. Einleitung]). Genug, er sparte keine Mühe, um das schöne Buch auf der Höhe zu erhalten. Es wurde ein Stück auch seines Lebens und beeinflusste seinen eigenen Stil in Poesie und Prosa. Er dichtete am liebsten und besten in der Epigrammform und verwuchs mit den geliebten "Geflügelten Worten" so innig, dass er in der Todesstunde nur in Citaten sprach.
Wenn bei einem Buche wie diesem der Erfolg als Massstab für seinen Wert gelten darf, so erkannte die gebildete Welt Robert-tornows Weiterarbeit willig an. Denn während bis zu Büchmanns Tode 13 Auflagen und 57000 Exemplare der "Geflügelten Worte" verbreitet waren, erlebte Robert-tornow die Freude und gerechte Genugthuung, mit der 18. Auflage das hundertste Tausend zu erreichen.
Seit dem Jahre 1888 lebte er als Bibliothekar des Königlichen Hauses in einem heimlichen und anheimelnden Winkel des alten Hohenzollernschlosses. Gehört Einsamkeit zur Vertiefung und bedeutet Geselligkeit das beste Gegengift gegen Vergrübeln, ist also Abwechselung in Beidem das Beste, so führte er hier ein beneidenswertes Dasein. Hinter diesen gewaltigen Mauern, welche Stille! Hier hauste er wie ein Zauberer im Märchen. Aber wer ihn suchte und zu finden wusste, der traf ihn stets aufgeräumt und immer hilfsbereit. Seine Zelle öffnete sich für alle ehrlichen Seelen. Allen war er da Etwas, gar manchem Viel, jedem aber etwas Besonderes. Er verstand sich auf Menschenschicksale. Denn auch in seinem Herzen hatten Leidenschaften getobt, auch um seine Seele hatten dunkle Gewalten gestritten: er aber hatte sich in selbsterlebten Liedern frei gesungen und sich zum Siege, zum echten Lebenshumor durchgekämpft. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass er dankbar die steigende Anerkennung und Gunst des Hofes empfand und sich über die äusseren Ehrungen, die ihm zu teil wurden, herzlich freute.
Ward es ihm in der Grossstadt zu eng und zu laut, so flüchtete er hinaus in den Frieden der Wälder, oder an die See und nach Helgoland, seiner "Insel der Seligen", oder pilgerte zusammen mit Herman Grimm in die Tiroler Berge. Ein Besuch Pommerns schloss gewöhnlich solche Reisen ab.