Circe warnt im Homer ("Od." 12, 39 ff.) den Odysseus vor den Sirenen, jenen beiden zauberisch singenden Wesen, die den Schiffer Weib und Kind vergessen machten, ihn an sich lockten und töteten. Hiernach nennen wir ein liebreizendes, durch Schmeicheltöne ins Verderben lockendes Weib eine
Sirene
und sprechen von bezauberndem
Sirenengesang
und von einer verführerischen
Sirenenstimme.—
Ein Wesen, das uns zu raten giebt, nennen wir eine
Sphinx;
denn die thebanische Sphinx, welche nach Cinaethos, des Milesiers, "Oedipodie" (s. Proclus "Chrestomathie") keine "Bestie" ("θηρίον"), sondern eine "Wahrsagerin" ("χρησμολόγος"), nach anderen jedoch (Apollodor III, 5, 8) ein Geschöpf war mit Weibsgesicht, Löwenkörper und Vogelflügeln, diese Sphinx, die Hesiod ("Theog." 326) "Echidnas und Orthys' Tochter", "die furchtbare" ("ὀλοήν") und "ein Verderben für die Kadmeer" ("Καδμείοισιν ὄλεθρον") nennt, sie gab den Thebanern Rätsel auf und tötete deren viele, die an der Auflösung verzagten, bis Oedipus auf ihre Frage: "Wer ist morgens vierbeinig, mittags zweibeinig, abends dreibeinig?" die kluge Antwort: "der Mensch" zu geben wusste, worauf sie sich selbst (oder er ihr) das Leben nahm.