Ex ungue leonem (pingere),

(Der Klaue nach den Löwen malen, d. h. aus einem Glied auf die ganze Gestalt schliessen)

wird von Plutarch ("De defectu oraculorum", 3) auf Alcäus (bl. um 610 v. Chr.), von Lucian ("Hermotimus", 54) auf Phidias (geb. um 500 v. Chr.) zurückgeführt. Es findet sich sprichwörtlich schon bei dem Mimendichter Sophron aus Syrakus (5. Jahrh. v. Chr.).—

Alcäus bezeichnet es zwar als Sprichwort, ist aber für uns die Quelle von

Im Weine (liegt) die Wahrheit,

was noch öfter in der lateinischen (nicht antiken) Form citiert wird:

In vino veritas,

denn er zuerst singt (frgm. 16, Bergk): "οἶνος ... ἀνθρώποις δίοπτρον"—"der Wein ist ein Spiegel für die Menschen" und (frgm. 57): "οἶνος, ὦ φίλε παῖ, καὶ ἀλάθεα ..." "Wein, liebes Kind, (wird) auch Wahrheit (genannt)".

Vrgl. Theognis (500): "ἀνδρὸς ... οἶνος ἔδειξε νόον"—"Wein offenbart des Menschen Sinn"; Äschylus (fragm. 13): "κάτοπτρον εἴδους χαλκός ἐστ', οἶνος δὲ νοῦ"—"des Wuchses Spiegel ist das Erz, der Wein des Sinns"; Ion (bei Athen. X, p. 477): "τῶν ἀγαθῶν βασιλεὺς οἶνος ἔδειξε φύσιν"—"Wein, der die Edlen beherrscht, deckte das Innerste auf"; Plato ("Symp." 33) nennt als Sprichwort: "οἶνος ... ἦν ἀληθής"—"der Wein ist wahr" (d. h. macht, dass man die Wahrheit sagt); Theokrit (29, 1) ebenfalls mit Anlehnung an Alcäus: