Leide und meide.—
Plutarch (geb. um 50 n. Chr., † 120 n. Chr.) erzählt in seiner Biographie des L. Aemilius Paullus (Kap. 5), dass dieser sich aus unbekannten Gründen von seiner Gattin, Papiria, habe scheiden lassen. Plutarch vermutet, dass der Scheidungsgrund ein ähnlicher gewesen sei, wie derjenige eines gewissen Römers. Dieser habe sein Weib fortgeschickt und alsdann auf die Fragen seiner Freunde: "Ist sie denn nicht sittsam? Nicht schön von Gestalt? Schenkte sie Dir denn keine Kinder?" ihnen seinen Schuh hingestreckt und gefragt: "Ist er nicht fein? Ist er nicht neu? Aber Niemand von Euch sieht, an welcher Stelle mein Fuss gedrückt wird, (οὐκ ἂν εἰδείη τὶς ὑμῶν. καθ' ὅτι θλίβεται μέρος οὑμὸς πούς)". Hierauf fusst die Stelle des Hieronymus (adv. Jovin. 1, 48): "Legimus quendam apud Romanos nobilem, cum eum amici arguerent, quare uxorem formosam et castam et divitem repudiasset, protendisse pedem et dixisse eis: Et hic soccus, quem cernitis, videtur vobis novus et elegans, sed nemo scit praeter me, ubi me premat." Hier findet sich zuerst das bekannte Bild unseres Sprachschatzes:
Nicht wissen und wissen, wo Einen der Schuh drückt.—
Durch Lucians (um 160 n. Chr.) Abhandlung "wie man Geschichte schreiben müsse" wurde die thracische Stadt
Abdera
für immer als lächerlich gebrandmarkt; und sie wurde als solche in Deutschland berühmt durch Wielands im "teutschen Merkur" 1774, 1. und 2. erschienene "Geschichte der
Abderiten".—
Bei Sextus Empiricus (Ende des 2. Jahrh. n. Chr.; "Adversus mathematicos", 287; Imm. Bekker, Berl. 1842; S. 665) steht:
ὀψὲ θεῶν ἀλέουσι μύλοι, ἀλέουσι δὲ λεπτά.
Lange zwar mahlen die Mühlen der Götter, doch mahlen sie Feinmehl. (Ähnlich in "Orac. Sibyll." 8, 14. ed. Friedlieb, Lpz. 1852.)