kommt in der Form vor: "si nos servaremus in necessariis unitatem, in non necessariis libertatem, in utrisque charitatem, optimo certe loco essent res nostrae" in "Paraenesis votiva pro Pace Ecclesiae. Ad Theologos Augustanae Confessionis. Auctore Ruperto Meldenio Theologo". Diese Schrift ist in zwei Exemplaren in Kassel und Hamburg wiederaufgefunden worden und scheint (vrgl. Fr. Lücke: "Über das Alter u. s. w. des kirchlichen Friedensspruches, In necessariis etc." Gött. 1850. S. 46.) dem Inhalte nach zwischen 1622 und 1625 erschienen zu sein, der Titelvignette nach ist sie in Frankfurt a. M. gedruckt. Über Rupertus Meldenius ist sonst nichts bekannt. Schon 1628 wird der Spruch, der vor Meldenius nicht nachzuweisen ist, in einer in Frankfurt a. O. gedruckten Schrift eines Gregor Frank in der Form angeführt: "servemus in necessariis unitatem, in non necessariis libertatem, in utrisque charitatem".—

Thomas Hobbes (1588-1679) sagt ("De Cive" Par. 1646; 1, 8): "Quoniam autem jus ad finem frustra habet, cui jus ad media necessaria denegatur, consequens est, cum unusquisque se conservandi jus habeat, ut unusquisque jus etiam habeat utendi omnibus mediis, et agendi omnem actionem, sine qua conservare se non potest"—"Weil dem, welchem man das Recht versagt, die nötigen Mittel anzuwenden, das Recht, zum Zweck zu streben, nichts hilft, so folgt daraus, dass, da Jeder das Selbsterhaltungsrecht hat, auch jeder berechtigt ist, alle Mittel anzuwenden und jede That, ohne die er sich selbst nicht erhalten kann, zu vollziehen". Hieraus scheint der Satz

Der Zweck heiligt die Mittel

entnommen zu sein, der gemeinhin fälschlich als Quintessenz der Jesuitenmoral gilt. Der Jesuitenpater Hermann Busenbaum schreibt allerdings in seiner "Medulla theologiae moralis" ("Kern der Moraltheologie" 1650. Lib. IV, Cap. III, Dub. VII, Art. II § 3): "cum finis est licitus etiam media sunt licita"—"da der Zweck erlaubt ist, sind auch die Mittel erlaubt" und (Lib. VI, Tract. VI, Cap. II, Dub. II, Art. I § 8): "cui licitus est finis, etiam licent media"—"Wem der Zweck erlaubt ist, dem sind auch die Mittel erlaubt". An der ersten Stelle schliesst er aber ausdrücklich verwerfliche Mittel aus und an der zweiten wird auch nur Zulässiges zur Erreichung des Zwecks empfohlen. Man riss seine Worte aus dem Zusammenhange und deutete sie so, als habe Busenbaum gemeint, man dürfe sich zur Erreichung eines guten Zwecks schlechter Mittel bedienen, weil diese dadurch geheiligt würden. Pascal scheint das zuerst in die Welt gesetzt zu haben, da er (1656. "Les provinciales, ou lettres . . .", 7. lettre) einen Jesuiten sagen lässt: "nous corrigeons le vice du moyen par la pureté de la fin"—"wir verbessern die Lasterhaftigkeit des Mittels durch die Reinheit des Zwecks".—

Einschneidender war aber Pascal, als er im 9. seiner "Lettres provinciales" die jesuitische "doctrine des restrictions mentales" an den Pranger stellte. Diese "restrictio mentalis", oder, wie wir heut sagen:

reservatio mentalis,

"der Gedankenvorbehalt des Eidleistenden" findet sich zuerst bei dem Jesuiten Hermann Busenbaum (1600-68) in der "Medulla theologiae moralis" (III, 2), nachdem schon der Jesuit Sanchez ("Opus morale", Colon. 1614; III, 6, § 15) gesagt hatte: "si quis . . . iuret se non fecisse aliquid, quod re vera fecit, vel aliam diem ab ea, in qua facit, vel quodvis aliud additum verum, re vera non mentitur, nec est periurus . . ." ("Schwört einer, er habe etwas nicht gethan, was er doch gethan hat, indem er einen anderen Tag, als den der That, oder irgend etwas anderes wahrheitsgemässes hinzufügt, so ist er thatsächlich kein Lügner oder Meineidiger").—

Benedictus de Spinoza (1632-77) sagt im "Tractatus politicus" cap. 1, § 4 (1677): "Sedulo curavi,

humanas actiones non ridere, non lugere,