Der Mond, der scheint so helle,

Die Toten reiten so schnelle,

Fein's Liebchen, graut dir nicht?

Diese wenigen Worte hätten ihm nie wieder aus dem Sinne gewollt, und aus ihnen hätte sich nach und nach das gewaltige Lied "Lenore" gestaltet.

Nach Herders erst 1815 nach seinem Tode erschienener Recension (Ausg. Suphan, Bd. 20, S. 377-379) des Althofschen Buches hat Herder in seiner Kindheit in einer Weltecke in Ostpreussen oft ein Zaubermärchen erzählen hören, in dem der Refrain (und zwar mit einer Antwort vermehrt) gerade die Strophe war, die Bürger singen hörte. Der Geliebte nämlich reitet mit der Geliebten in einer kalten, mondhellen Winternacht und spricht sie im Weiterreiten wiederholt an:

Der Mond scheint hell,

Der Tot reit't schnell,

Feinsliebchen, grauet dir?

worauf sie antwortet:

Und warum sollt's mir grauen?