Am 25. April trägt er das Lied beim Maire Dietrich vor und schickt es an demselben Tage mit Widmung an den Oberbefehlshaber der Rheinarmee, Marschall de Luckner. Ende Mai oder Anfang Juni erschien es anonym, mit der Widmung auf zwei Queroctav-Blättern. Am 30. Juli singen es die Marseiller Verbündeten bei ihrem Einzuge in Paris, und von nun an nimmt es die Bezeichnung "Marseillaise" an. Eine Originalausgabe ist in Strassburg i. E. Dann erschien das Lied als "Le Chant des Combats" 1793 im "Almanach des Muses" zu Paris und 1796 in den "Essais en vers et en prose par Joseph Rouget de Lisle" (Paris. P. Didot l'ainé. An 5e de la republique. S. 57-59) unter dem Titel: "Le Chant des Combats, vulgairement L'Hymne des Marseillois. Aux Mânes de Sylvain Bailly, premier Maire de Paris".—

Anne Louise Germaine Baronne de Staël -Holstein, geb. Necker (1766-1817) sagt in ihrem Buch "Corinne, ou L'Italie" (1807; L. 18, Ch. 5): "Überlegenheit von Geist und Seele fürchtet man mit Unrecht; diese Überlegenheit ist vielmehr höchst sittlicher Natur; denn ("tout comprendre rend très-indulgent") Alles richtig verstehen macht sehr nachsichtig . . ." Hieraus scheint der stets auf Frau von Staël zurückgeführte weiter greifende Satz gebildet zu sein:

Tout comprendre c'est tout pardonner. Alles verstehen ist Alles verzeihen.—

François Auguste Vicomte de Chateaubriand (1768-1848) schildert am Schluss seines Buches "Les Martyrs ou le triomphe de la religion chrétienne" ("Oeuvres" t. 21. p. 132, Paris 1836), wie Alles in Rom donnert und kracht, als ein edles Märtyrerpaar den Tigern in der Arena preisgegeben wird, wie die Götterbilder wanken und man, wie einst in Jerusalem, eine Stimme rufen hört:

Les dieux s'ent vont.

Dies Wort brachte Heine bei uns auf, der 1833 ("Romantische Schule". "Werke". Strodtmann. VI, 101) schrieb: "Les dieux s'en vont, Goethe ist todt." Chateaubriand aber schöpfte aus Flavius Josephus, der ("de bello judaico" VI, 5, 3) unter den Vorzeichen von Jerusalems Untergang anführt, die Priester hätten zu Pfingsten im Tempel ein Getöse verspürt und den vielstimmigen Ruf gehört: "Wir gehen fort von hier!"—

Das in Camille Jordan s (1771-1821) "Vrai sens du vote national sur le consulat à vie" (1802, S. 46) enthaltene

"Le couronnement de l'édifice" die Krönung des Gebäudes

ist durch Napoléon III. zum Schlagworte geworden. Er wendete es in einem Schreiben an den Staatsminister Rouher an, das sein Dekret über vorzunehmende Reformen vom 20. Januar 1867 begleitete. Schon am 14. Febr. 1853 hatte er in seiner Eröffnungsrede des Parlaments gesagt: "La liberté n'a jamais aidé à fonder d'édifice politique durable; elle le couronne quand le temps l'a consolidé". ("Die Freiheit hat niemals ein dauerhaftes Staatsgebäude gründen helfen; sie krönt es, wenn die Zeit es befestigt hat".)—

Aus Méhuls zuerst 1807 in Paris und in Deutschland 1809 aufgeführtem "Joseph in Ägypten", Text von Alexandre Duval (1767-1842), Akt 1 ist: