Alter ego, Ein zweites Ich.

Bei Cicero findet sich "me alterum" "ad. fam." 7, 5, 1; "ad Attic." 3, 15, 4; 4, 1, 7; "Alterum me" "ad fam." 2, 15, 4; "verus amicus est tanquam alter idem" "de amic." 21, 80; bei Ausonius "alter ego" praef. 2, 42 (4. Jahrh. n. Chr.). Der griechische Romanschreiber Eustathius[6. Jahrh.? 12. Jahrh.?] sagt dreist von sich: "Ein zweites Ich; denn also bezeichne ich den Freund". Hercher "Erotici Graeci" 2, p. 164, 25; vrgl. 165, 18. Späterhin nahm "Alter ego" die Bedeutung eines Stellvertreters der souveränen Gewalt an.—

Am Schlusse jeder Beweisführung des Mathematikers Euklid (bl. um 300 v. Chr.) heisst es:

ὅπερ ἔδει δεῖξαι, quod erat demonstrandum, was zu beweisen war.—

Des (um 270 v. Chr. bl.) Philosophen Bion Witz: "Εὔκολον τὴν εἰς Ἅιδου ὁδόν· καταμύοντας γοῦν κατιέναι", "der Weg zum Hades ist leicht; man kommt ja mit geschlossenen Augen hinab" (s. Diog. Laërt. IV, c. 7, n. 3, § 49) wird von uns in der kürzeren Form des Vergil citiert ("Aen." 6, 126):

Facilis descensus Averno, Das Hinabsteigen in die Unterwelt ist leicht;

worauf dann folgt, dass das Wiederauftauchen daraus schwer sei.—

Philo Judaeus († 54 n. Chr.) sagt ("de migr. Abrahami" 15, p. 449, Mangey) von den ägyptischen Zauberern: "ἀπατᾶν δοκοῦντες ἀπατῶνται" (sie glaubten zu betrügen und wurden betrogen). Danach schreibt der gern citierende Apostel Paulus im 2. Briefe an Thimotheus 3, 13 auch von den Magiern Ägyptens: "Mit den bösen Menschen aber und verführerischen wird es je länger je ärger, "verführen und werden verführt" ("πλανῶντες καὶ πλανώμενοι")". Dann sagt Porphyrius in seines Lehrers Plotin Leben (16): "οἳ—ἐξηπάτων καὶ αὐτοὶ ἠπατημένοι" ("die betrogen und selbst betrogen waren") und Augustinus ("Bekenntnisse" 7, 2): "deceptos illos et deceptores", und G. E. Lessing ("Nathan" 3, 7) verdeutschte in der Parabel von den drei Ringen das Wort also:

Betrogene Betrüger.

(vrgl. Margarete von Navarra in dem 1543 erschienenen "Heptameron" Novelle 1, 6, 15, 23, 25, 28, 45, 51, 62; Cardanus († 1576) "De subtilitate", 1663, III, 551; Cervantes "Don Quijote" 2, 33 (1615) u. s. w.; Moses Mendelssohn ("Ges. Schr.", 1843, III, 115; Brief vom 9. 2. 1770 an Bonnet über eine Sekte): "Wollen wir sagen, dass alle ihre Zeugen Betrogene und Betrüger sind?" Eine komische Oper von Guilet et Gaveaux (1799) heisst "Le trompeur trompé".)—