tief ins Volk gedrungen. Er sprach:
"Wer soll die Centralgewalt schaffen? Meine Herren! ich habe diese Frage von dem Standpunkte des Rechtes und von dem Standpunkt der Zweckmässigkeit vielfach beurteilen hören; ich würde bedauern, wenn es als ein Prinzip gälte, dass die Regierungen in dieser Sache gar nichts sollten zu sagen haben; aber vom Standpunkte der Zweckmässigkeit ist meine Ansicht bei weiterer Überlegung wesentlich eine andere, als die der Majorität im Ausschuss . . . . . . Meine Herren! Ich thue einen kühnen Griff und ich sage Ihnen: wir müssen die provisorische Centralgewalt selbst schaffen".
Der stürmische Jubelruf, mit dem Gagerns Wort aufgenommen wurde, verschaffte diesem seinen Widerhall, und doch hatte Gagern nur ein Wort seines Vorredners Karl Mathy (1807-1868) wiederholt, der, von der Ansicht ausgehend, dass auch die Einzelstaaten bei Begründung einer deutschen Centralgewalt gehört werden müssten, gesagt hatte:
" . . . sollten die Regierungen einzelner Staaten unterlassen, dem Beispiele zu folgen, dem Beispiele treuer Pflichterfüllung gegen das gesammte Vaterland, welches die Versammlung, wie ich nicht zweifle, geben wird, dann meine Herren, ja dann wäre uns ein kühner Griff nach der Allgewalt nicht nur erlaubt, sondern durch die Not geboten".
Vielleicht schwebten Schillers Worte vor ("Gesch. d. 30jähr. Krieges" B. 3, vorletzter Absatz):
"Die Geschichte . . . sieht sich zuweilen durch Erscheinungen belohnt, die gleich einem kühnen Griff aus den Wolken in das berechnete Uhrwerk der menschlichen Unternehmungen fallen".—
Das ist das Unglück der Könige, dass sie die Wahrheit nicht hören wollen
sagte Johann Jacoby (1805-77) am 2. November 1848 als Mitglied der von Friedrich Wilhelm IV. empfangenen Deputation der Berliner Nationalversammlung.
Möglicherweise kam dieses Wort, dem Erregten in jenem Augenblick natürlich unbewusst, aus Herders "Cid" (2, 32), wo Graf von Cabra zum sterbenden König Don Sancho spricht:
"Ach, der Kön'ge hartes Schicksal,