ein Appell an die Furcht in deutschen Herzen niemals ein Echo findet".—

Als es sich im Anfange des Jahres 1869 darum handelte, das in Preussen noch vorfindliche Vermögen des Kurfürsten von Hessen mit Beschlag zu belegen, wurde Graf Bismarck, dem damaligen Minister-Präsidenten, der Vorhalt gemacht, er werde die ihm schon zur Verfügung stehenden geheimen Fonds, um unbekannte Summen vermehrt, zur Korruption der Presse und anderen sich der Aufsicht entziehenden Zwecken verwenden. Es handelte sich nämlich nicht bloss um die verhältnismässig kleinen Revenuen aus dem in Beschlag genommenen Vermögen des Kurfürsten, sondern auch um die Zinsen der 16 Millionen Thaler, welche dem König von Hannover erst bewilligt und dann einbehalten waren, und mit deren Verwendung das Abgeordnetenhaus sich erst am Tage vorher beschäftigt hatte. Darauf antwortete Graf Bismarck am 30. Jan. 1869:

"Ich bin nicht zum Spion geboren meiner ganzen Natur nach; aber ich glaube, wir verdienen Ihren Dank, wenn wir uns dazu hergeben, bösartige Reptilien zu verfolgen bis in ihre Höhlen hinein, um zu beobachten, was sie treiben. Damit ist nicht gesagt, dass wir eine halbe Million geheimer Fonds brauchen können; ich hätte keine Verwendung dafür und möchte die Verwendung für solche Summen nicht übernehmen. Es werden sich andere Verwendungen finden, die Ihre nachträgliche Genehmigung und Zustimmung finden werden. Auf dem hessischen Hofvermögen haften, wie man sagt, Verpflichtungen dem Lande gegenüber, Baupflichten, die übernommen worden sind. Es wird eine Ehrenpflicht der Regierung sein, wenn sie in dem Besitz der Fonds ist, solche Schulden zu tilgen; aber machen Sie uns aus dem bedauerlichen Zwange, dass wir Gelder auch zu anderen Zwecken verwenden müssen, keinen Vorwurf; probieren Sie selbst erst, ob Sie Pech anfassen können, ohne sich zu besudeln".

Auf Grund dieser Äusserung nannte man die einbehaltenen Gelder den

Reptilienfonds,

später nannte man dann

Reptil

Jeden, der in der Presse thätig, Beziehungen zu den Behörden hat. Graf Bismarck sagte darüber im Reichstage, 9. Febr. 1876, Folgendes:

"Dieser Beisatz "offiziös" und diese Verdächtigungen irgend eines Blattes, je nachdem man es gerade braucht, als eines "subventionierten" durch das Wort "Reptilie" ist ja eine wirksame Hülfe in der publizistischen Diskussion. Das Wort Reptilie, Reptilienvater, Reptilienpresse in der Meinung, wie es gebraucht wird, kommt mir immer vor, als wenn Leute, die mit dem Gesetze in Konflikt treten, auf die Polizei schimpfen und sie Diebsjäger und dergleichen nennen. Reptilie—wie entstand das Wort? Unter Reptilien verstanden wir Leute, die in Höhlen—bildlich gedacht, kurz und gut in verwegener Weise intriguieren gegen die Sicherheit des Staats und man hat das nun umgedreht und nennt jetzt Reptile diejenigen, die das aufzudecken streben. Mit diesem Sprachgebrauch will ich nicht rechten. Es ist ja ganz einerlei; ich erkläre nur, dass es Reptile des auswärtigen Amts in dem Sinne, wie Gegner den Ausdruck gebrauchen, absolut nicht giebt".

Burke hatte jedoch schon das Wort Reptilien im Unterhause für die Magistrate von Middlesex verwendet (Lord Mahon VII, 13), und der Major Scott, Hastings Organ, nannte Burke selbst "jenes Reptil, Herr Burke" (Macaulay "Warren Hastings"). Der Vergleich des Reptils für Pressorgane scheint übrigens aus Frankreich zu stammen (vrgl. "Gegenwart" XXVI, 45 u. 48) und Zeitungsschreiber werden so von Dickens genannt (z. B. "Pickwick Papers" Ch. 15; vrgl. auch Georg Winter: "Unbeflügelte Worte", 1888, S. 349.)—