Diese Bücher führen den Titel: "Handbook of Familiar Quotations" [Chiefly from English Authors (by J. R. P.). A new Edition. London 1853]—und: "L'Esprit des Autres" [par Edouard Fournier. Paris 1855]. Sie regten Georg Büchmanns launiges Naturell und seinen durch grosse Belesenheit unterstützten Scharfsinn zu Forschungen an über die geistige Scheidemünze aus aller Herren Ländern, welche in Deutschland umläuft. Bald gelang es ihm, seine Vorgänger durch Stofffülle und Zuverlässigkeit weit zu übertreffen.
Zunächst hielt Büchmann nun im Herrigschen Verein, 1863, einen Vortrag über "gefälschte Citate" und er sprach dann, 1864, im Saale des Berliner Schauspielhauses über "landläufige Citate" im allgemeinen, denen er in bestimmter, erweiterter Auffassung (vrgl. die Einleitung) bei dieser Gelegenheit den seitdem weltbekannten Namen "Geflügelte Worte" gab. In demselben Jahre noch erschien im bescheidenen Umfange von 220 Seiten sein Buch " Geflügelte Worte. Der Citatenschatz des deutschen Volkes ". Schon aus dem Inhalte dieser ersten Auflage ist ersichtlich, welche weiten, über den engeren Kreis der landläufigen Citate im gewöhnlichen Sinne erheblich hinausgehenden Grenzen Büchmann dem neuen, von ihm geschaffenen sprachwissenschaftlichen Begriffe des "geflügelten Wortes" zog. In der dreizehnten Auflage, der letzten von ihm herausgegebenen (1882) schrieb er:
"Die ganz willkürlich gewählte Benennung 'Geflügelte Worte', welche ich diesem Buche gab, ist allgültig geworden und über Deutschlands Grenzen hinausgedrungen. Es erschien 1871 in Holland unter dem Titel 'Gevleugelde Woorden' ein klägliches Machwerk, welches mich ausbeutete, ohne dass mein Name darin auch nur erwähnt wurde. Eine sehr erfreuliche, in der Anlage sich eng an mein Buch anschliessende, aber trotzdem selbständige dänische Bearbeitung des Stoffes hat 1878 Oscar Arlaud in Kopenhagen unter dem Titel 'Bevingede Ord' geliefert und die Citate der dänischen Sprache hinzugefügt. Im Jahre 1881 liess er ein ebenso lobenswertes Supplement erscheinen. Arvid Ahnfeld gab 1880 in Stockholm eine Citatensammlung unter dem Titel 'Bevingade Ord' heraus, zu welcher die meinige und Oscar Arlauds benutzt worden sind und welche ausserdem die schwedischen und finnischen Citate bringt"[2].
[2] Italien und Ungarn traten hinzu. "Chi l'ha detto?" des Giuseppe Fumagalli, Mailand 1895 und "Szájrul szájra" (d. h. "von Mund zu Mund") von Tóth Béla, Budapest 1895.
Selbstverständlich lockte Büchmanns und seiner Mitarbeiter Bienenfleiss bis in die jüngste Zeit hinein manche litterarische Drohnen herbei, die ihren Plagiaten ein mehr oder minder schäbiges Mäntelchen umhingen, sich Wörter und Namen aus dem Büchmannschen Buchtitel aneigneten und die Ausbeutung so gründlich betrieben, dass sie sogar die Druckfehler mit übernahmen. Einen wesentlichen Abbruch konnten sie indessen dem Werke Büchmanns nicht thun, weil die gebildeten Kreise des deutschen Volkes eine feine Empfindung in Dingen des litterarischen Anstandes besitzen, und weil Büchmanns Werk in jeder neuen Auflage für sich selbst sprach.
Ausserdem, dass seine vortreffliche Arbeit den wohlverdienten Anklang in den weitesten Kreisen fand, wurde Georg Büchmann erfreut durch die Verleihung des Professortitels und des Ordens vom roten Adler.
Es war gut für ihn, dass er nun eine eigene Thätigkeit besass, welche ihn alle Unbilden des Lebens vergessen machte; denn, krankend an den Folgen eines schweren Sturzes, musste er sich im Jahre 1877 in den Ruhestand versetzen lassen. "Alle seine Schüler", so heisst es in dem Programm der Gewerbeschule vom Jahre 1878, "bewahren der anregenden und bildenden Kraft seines Unterrichts und der persönlichen Wärme, die er ihnen entgegentrug, das dankbarste und ehrenvollste Andenken; alle seine Kollegen zollen ihm ihre Hochachtung, viele verehren in ihm dankbar ihr Vorbild und Muster in ihrem amtlichen Wirken".
Fortan lebte Georg Büchmann, gepflegt von seiner Gattin, der bekannten Malerin Helene Büchmann, der wir sein wohlgetroffenes Bildnis verdanken, das in einer Radierung von Hans Meyer unser Buch schmückt, ganz der Ausgestaltung seines Werkes, versenkt in das Studium der Weltlitteratur und angeregt durch einen schliesslich über neunhundert Namen aufweisenden Briefwechsel.[3]
[3] D. h. die überwiegende Zahl dieser Korrespondenten wandte sich Einmal an Büchmann, einige öfters; ein regerer Gedankenaustausch, wie z. B. mit dem Germanisten Robert Hein, konnte nur mit sehr Wenigen stattfinden.
Er hatte in der "Einleitung" jeder Auflage um Zusätze und Berichtigungen gebeten, und ein solcher Appell an die Philologie findet in deutschen Herzen immer ein Echo. In der damals von Paul Lindau redigierten "Gegenwart" vom 27. September 1879 sprach Georg Büchmann in dem Aufsatz " Sechshundert Korrespondenten " seinen lebhaften Dank aus für den vielfältigen Nutzen, der seiner Sammlung aus solcher freiwilligen Mitarbeiterschaft erwachsen sei. Gegen Ende dieses Artikels heisst es: