Lacroix.
Die Esel werden schreien »Es lebe die Republik«, wenn wir vorbeigehen.

Danton. Was liegt daran? Die Sündflut der Revolution mag unsere Leichen absetzen, wo sie will; mit unsern fossilen Knochen wird man noch immer allen Königen die Schädel einschlagen können.

Hérault.
Ja, wenn sich gerade ein Simson für unsere Kinnbacken findet.

Danton.
Sie sind Kainsbrüder.

Lacroix.
Nichts beweist mehr, daß Robespierre ein Nero ist, als der Umstand,
daß er gegen Camille nie freundlicher war als zwei Tage vor dessen
Verhaftung. Ist es nicht so, Camille?

Camille.
Meinetwegen, was geht das mich an? - (Für sich:) Was sie an dem
Wahnsinn ein reizendes Kind geboren hat! Warum muß ich jetzt fort? Wir
hätten zusammen mit ihm gelacht, es gewiegt und geküßt.

Danton. Wenn einmal die Geschichte ihre Grüfte öffnet, kann der Despotismus noch immer an dem Duft unsrer Leichen ersticken.

Hérault. Wir stanken bei Lebzeiten schon hinlänglich. - Das sind Phrasen für die Nachwelt, nicht wahr, Danton; uns gehn sie eigentlich nichts an.

Camille. Er zieht ein Gesicht, als solle es versteinern und von der Nachwelt als Antike ausgegraben werden. Das verlohnt sich auch der Mühe, Mäulchen zu machen und Rot aufzulegen und mit einem guten Akzent zu sprechen; wir sollten einmal die Masken abnehmen, wir sähen dann, wie in einem Zimmer mit Spiegeln, überall nur den einen uralten, zahnlosen, unverwüstlichen Schafskopf, nichts mehr, nichts weniger. Die Unterschiede sind so groß nicht, wir alle sind Schurken und Engel, Dummköpfe und Genies, und zwar das alles in einem: die vier Dinge finden Platz genug in dem nämlichen Körper, sie sind nicht so breit, als man sich einbildet. Schlafen, Verdauen, Kinder machen - das treiben alle; die übrigen Dinge sind nur Variationen aus verschiedenen Tonarten über das nämliche Thema. Da braucht man sich auf die Zehen zu stellen und Gesichter zu schneiden, da braucht man sich voreinander zu genieren! Wir haben uns alle am nämlichen Tische krank gegessen und haben Leibgrimmen; was haltet ihr euch die Servietten vor das Gesicht? Schreit nur und greint, wie es euch ankommt! Schneidet nur keine so tugendhafte und so witzige und so heroische und so geniale Grimassen, wir kennen uns ja einander, spart euch die Mühe!

Hérault.
Ja, Camille, wir wollen uns beieinandersetzen und schreien; nichts
dummer, als die Lippen zusammenzupressen, wenn einem was weh tut. -
Griechen und Götter schrien, Römer und Stoiker machten die heroische
Fratze.