Phot. E. Nordenskjöld.

Abb. 219. Gesichtstatauierung der Chorotiindianer aus dem Gran Chaco (Bolivia).

Als Waffen ([Abb. 220] u. [229]) dienen den südamerikanischen Indianern Bogen und Pfeile, erstere häufig prächtig verziert, sowie Wurflanzen mit in Gift getauchten Spitzen, die in manchen Gegenden mit einem Wurfbrett geschleudert werden, Stoßlanzen und besonders auch Keulen; hierzu tritt für einzelne Gebiete für die Jagd noch das Blasrohr ([Abb. 231]) mit gleichfalls vergiftetem Pfeil. Die Reiterstämme der Steppen bedienen sich mit Vorliebe des Lassos und der Bola, einer Wurfkugel. Die Verteidigungswaffen bestehen aus Schilden ([Abb. 232]) von Holz oder Fell und aus Rüstungen, die man aus Fellen oder Geweben herstellt. Eine Eigentümlichkeit besonders der Jivaros sind ihre Siegestrophäen aus den abgeschnittenen und auf besondere Art zubereiteten Köpfen erschlagener Feinde ([Abb. 233] und [234]), die sogenannten Tsantsas. Die Haut des möglichst tief abgehauenen Kopfes wird durch Längsschnitt am Hinterhaupt gespalten und mit Einschluß der Gesichtshaut auf geschickte Weise von den darunterliegenden Knochen abgeschält, darauf in Wasser, dem gewisse Kräuter, wohl zur Desinfektion, zugesetzt sind, gekocht und schließlich über einen runden, heiß gemachten Stein gezogen, den man nach und nach durch einen immer kleineren bis zur Größe einer Orange ersetzt, während die Weichteile mit einem anderen, ebenfalls heiß gemachten Stein wie mit einem Plätteisen von außen geglättet werden. Der auf diese Weise ausgetrocknete, gleichsam mumifizierte Kopf, in dessen Inneres man, um die Form zu erhalten, wohl noch heißen Sand schüttet, wird als Siegeszeichen an einer Schnur aufgehängt. Die Herbeischaffung eines Tsantsa von seiten eines Kriegers hat eine große Festlichkeit (Tsantsa-Tucui) im Gefolge, zu der er sich würdig vorbereiten muß. Dazu gehört auch eine lange Enthaltsamkeit vom Genusse gewisser Speisen (so jeglichen Wildes, das durch Pfeil erlegt wurde, und zahlreicher anderer Tiere); er darf nur Fische, Yukka, Bananen und einige kleine Vögel, die mit einem Blasrohr erlegt wurden, verzehren. Er muß ferner, wenn er sich ins Freie begibt, seine Lanze zu Haus lassen, was für einen Wilden eine große Entsagung bedeutet, und sich des geschlechtlichen Verkehrs enthalten. Außerdem bemalt er seinen Körper mit schwarzen Linien und zieht einen ebensolchen Streifen quer über das Gesicht von einem Ohr zum anderen. Diesen Enthaltsamkeitsvorschriften muß er mehrere Monate bis zu zwei Jahren nachkommen, man hörte selbst von einer Befolgung derselben auf sechs bis zehn Jahre. Wer dagegen verstößt, lädt großes Unglück auf sich und seine Familie, denn der Geist der Abgeschlachteten läßt ihn nicht in Ruhe. Eine so lange Vorbereitungszeit ist auch darum erforderlich, weil der junge Krieger sich erst die Nahrungsmittel zur Bewirtung der zahlreichen Gäste, die sich zum Fest einfinden, beschaffen muß; er muß Yukka und Bananen säen und sie ernten, um daraus durch Gärung eine ungemeine Menge von Chicha herzustellen; er muß auch große Jagden veranstalten, um das erforderliche Fleisch zu beschaffen, das dann für lange Aufbewahrung besonders zubereitet wird. Der großen Kosten wegen pflegen sich meistens mehrere Jünglinge zusammenzutun. Zum Feste selbst finden sich alle Angehörigen, selbst solche aus den entferntesten Gegenden ein. Ein mit der Leitung der Feier betrauter alter Mann nimmt aus den Händen des Kriegers, der nun wieder mit Lanze erscheint, den Tsantsa entgegen und taucht ihn nacheinander in eine Abkochung von Tabak, in Chicha und schließlich in reines Wasser; nachdem er hierauf den Helden des Tages genötigt hat, sich niederzusetzen, und ihm diese verschiedenen Flüssigkeiten eingeflößt hat, nimmt dieser seine Trophäe wieder in Empfang und hängt sie am Hauptpfosten seines Hauses auf, der mit Blumen, ausgestopften Vögeln und zahlreichen anderen Anhängseln verziert ist. Der Festleiter hält nun noch eine Rede auf den jungen Mann. Hieran schließen sich Tänze der Männer und ein Trinkgelage, meistens sechs Tage lang; dabei wird den verteilten Speisen eifrig zugesprochen. In der letzten Nacht wird noch eine Anzahl fetter Schweine geschlachtet und aus ihrem Fleisch eine Kraftbrühe hergestellt, von der am Morgen des siebenten Tages jeder der Teilnehmer trinkt. Diese kehren dann wieder heim, nachdem jeder von ihnen noch ein großes Stück Fleisch mitbekommen hat. Diese Festlichkeit soll den Zweck haben, den Geist des Getöteten zu versöhnen und geneigt zu stimmen. Fortan wird der Tsantsa zu einer Art Fetisch, der seinem Besitzer und dessen Angehörigen Reichtum, Fruchtbarkeit für die Felder, Glück in der Familie und Sieg über die Feinde sichert.

Phot. Th. Koch-Grünberg.

Abb. 220. Tukanoindianer vom Uaupé (Nordwestbrasilien) in Festtracht.

Die Lanze, die nur als Schmuck dient, ist an der Spitze mit einer Mosaikarbeit aus winzig kleinen Federn und Menschenhaar, am unteren Ende mit einer Art Klapper versehen. Der linke Arm hält einen Schild aus dünnen Stäben, die ein Band aus Schlinggewächsen zusammenhält.

Phot. Th. Koch-Grünberg.