Abb. 280. Morristänzer in Stratford-on-Avon.
Der Morris ist einer der ältesten Tänze Englands, ein Überbleibsel aus den Tagen Robin Hoods und seines lustigen Gefolges.
Der Karneval erreicht seinen Höhepunkt am sogenannten Rosenmontag und endet am darauffolgenden Fastnachtdienstag; an diesem Abend wird vielfach der Schluß der lustigen Karnevalszeit in den Familien mit einer Festlichkeit begangen, an der in Norddeutschland Pfannkuchen und Punsch nicht fehlen dürfen. Der darauffolgende Tag, der Aschermittwoch, stellt den Tag der Buße dar, denn an diesem Tage setzt die Fastenzeit ein. Eine am Aschermittwoch weitverbreitete Sitte ist das Stäupen (auch Kindeln oder Peitschen genannt) mit Birkenruten (dem heiligen Baum des Donar); damit soll das Austreiben der bösen Geister angedeutet werden, von denen die Menschen besessen sein könnten, ursprünglich aber wohl das Vertreiben des Winters durch den hereinbrechenden Frühling. Alle Langschläfer werden unsanft aus ihrem Schlummer geweckt und gestäupt oder wenigstens auf ihre Bettdecke mit Ruten geschlagen. Eltern und Kinder wetteifern miteinander, als die ersten aufzustehen, um dem Verhängnis zu entgehen. In Schleswig-Holstein muß der Langschläfer eine Hedwig spenden, ein gewürztes Brötchen in Keilform (Keil = wegg ist der Hammer des Thor). Hedwig ist durch Verunstaltung aus Hollewig hervorgegangen, einem Wort, das wieder mit der Göttin Holle zusammenhängt. Die Hedwig ist nicht das einzige Fastengebäck; man kennt in Deutschland noch eine ganze Reihe von Formen und Bezeichnungen der verschiedensten Art, wie Fastenbretzeln, Krapfen, Öhrle, Küchel, Heißwecken und so fort, die nur zur Fastenzeit hergestellt werden.
Phot. Wilhelm Müller, Bozen.
Abb. 281. Schuhplattler im Pustertal.
Das Wort Fastnacht hat ursprünglich nichts mit dem Fasten zu tun, es hängt vielmehr mit dem alten deutschen Worte vahsen, das heißt in großer Ausgelassenheit toben, zusammen. In alten Zeiten gab es die Vahsnächte, die mit Mariä Lichtmeß begannen und sich bis Ostern hinzogen, in christlicher Zeit aber mit dem Beginn der Fastenzeit endeten. Weil man sich in diesem Zeitraume erst noch einmal ordentlich austoben wollte, bevor man sich Buße, Entbehrungen, Fasten auferlegte, wurde das Wort Vahsnacht in Fastnacht umgewandelt. In die Vahsnächte fiel auch der Frühlingsanfang, der Zeitpunkt der Frühlings-Tagundnachtgleiche, an dem der Frühling über den Winter endlich die Oberhand gewinnt, was Anlaß zu ausgelassener Freude gab. Nach der alten Sage wurde die Sonnengöttin vom Winterriesen geraubt und in ihrer Eisburg gefangengehalten; um den Menschen den Lenz bringen zu können, mußte sie befreit werden. In dieser Auffassung finden zahlreiche Spiele der Kinder ihre Erklärung. In Schleswig-Holstein wurde von den Kindern bis in die Neuzeit herein ein Spiel gespielt, bei dem sie einen Kreis (Mauer) mit einer in der Mitte sitzenden Person, der Königstochter (Sonnengöttin), bildeten und die übrigen Mitspielenden außerhalb des Ringes standen. Zwischen beiden Parteien entspann sich nun ein Wechselgesang, bei dem die Außenstehenden den Wunsch aussprachen, zur Königin gelangen zu wollen, die den Ring Bildenden aber ihnen den Zutritt verwehrten und schließlich nur unter der Bedingung gestatteten, daß sie die Mauer zerbrächen. Darauf stürmten die Außenstehenden die Kette, sprengten sie und führten die Königstochter im Triumphe davon. Anderen ums Frühjahr herum üblichen Spielen, wie Hahnschlagen, Katzenschlagen, Ringreiten, Türkenstechen, Rolandreiten und ähnlichen, liegt dieselbe Bedeutung zugrunde. Hahn und Katze, der eine dem Donar, die andere der Freia geweiht, sitzen unter dem Topfe; man sucht mit verbundenen Augen in die Nähe des Topfes zu gelangen und diesen zu zertrümmern, aber nicht um die Tiere zu töten, sondern um sie zu befreien. Beim Türkenstechen, Rolandreiten und so weiter handelt es sich um eine Art Kampfspiele, in denen Roland oder die Türken gleichbedeutend mit den Winterriesen sind.
Phot. Schweizer. Gesellschaft f. Volkskunde.
Abb. 282. Blumengeschmückte Tänzer in der Zentralschweiz.