Phot. The Folk-Lore Society.

Abb. 345. Szene vom Girlandentag in Castleton.

Die „Girlanden“ werden von einem Berittenen in altertümlicher Tracht auf Kopf und Schultern durch die Stadt geführt.

Hieran schließt sich das Hochzeitsmahl (hierzu die [Kunstbeilage] und [Abb. 356]), bei dem es häufig genug hoch hergeht und besonders auf dem Lande Unheimliches im Essen und Trinken geleistet wird. Um ein Beispiel aus Pommern anzuführen, so wurden im Jahre 1907 gelegentlich einer Bauernhochzeit in Schwarzau laut Zeitungsbericht zur Bewirtung der Gäste angeschafft — und auch verzehrt: zweiunddreißig Zentner Weizenmehl, vier Schweine von je zweieinhalb Zentnern, zwei Kälber, drei Schafe, zweiunddreißig Gänse, acht Zentner große Fische, zehn Zentner kleine Fische, vierundfünfzig Tonnen Bier, fünfhundert Flaschen Wein und dreihundert Liter Branntwein.

Phot. Rudolf Jobst, Wien.

Abb. 346. Hochzeitszug in Mayrhofen (Zillertal).

Nach alter Sitte wird dabei die Ausstattung der angehenden Eheleute mitgeführt.

Vor Beginn des Mahles pflegt in manchen Gegenden der Hochzeitsbitter einen Hochzeitspruch oder eine „Abdankung“ herzusagen. Das Weinglas, aus dem die Gesundheit des jungen Paares ausgebracht wurde, wird hinterrücks über die Schulter geworfen, so daß es in möglichst zahlreiche Stücke zerspringt, was Glück bringen soll, und zwar um so mehr, je mehr Scherben es sind.

In Irland erscheinen manchmal nach dem Mahle eine Anzahl „Bettler“ oder „Strohknaben“, so genannt, weil sie sich in Stroh einwickeln; ihr Anführer tanzt mit der Braut, und den übrigen werden Erfrischungen vorgesetzt. Der Tanz ([Abb. 355]) bildet wohl überall den Abschluß des Hochzeitsfestes. In manchen Gegenden ist er besonders auf diesen Zweck zugeschnitten. Den ganzen Abend über versucht man, der jungen Frau allerlei Schabernack zu spielen, der darauf hinausläuft, sie dem Gatten abspenstig zu machen, im besonderen sie ihm zu entführen; daher lassen die Brautjungfern sie nicht aus dem Auge. Gelingt den jungen Burschen ihr Spaß, dann führen sie die junge Frau in ein besonderes Zimmer und geben sie erst wieder her, wenn ihre Wächter Geschenke spenden. In Irland sucht die junge Frau ihrerseits nach dem Mahle zu entschlüpfen, wobei ihr die verheirateten Frauen behilflich sind. Wird sie dabei von den Gästen ertappt, dann muß sie den rechten Strumpf ausziehen und mit demselben nach ihnen werfen. Wer dabei getroffen wird, dem steht die nächste Heirat bevor.