mit kurzem, gefaltetem Rock, roten ledernen Schuhen, roter Jacke und fesähnlicher Kopfbedeckung.

Auf der Insel Korfu wird das Fasten, das im übrigen in Griechenland strenger als sonst in der christlichen Kirche innegehalten wird, am Palmsonntag unterbrochen. An diesem Tage strömt alles vom Lande und den kleinen Orten in die Hauptstadt der Insel, um an der großartigen Prozession ihres Schutzpatrons, des heiligen Spiridion, teilzunehmen, natürlich aufs festlichste geputzt und voller Freude darüber, daß man nach dem langen, schweren Fasten sich zum ersten Male wieder dem Genuß von Speise und Trank hingeben darf. Die Teilnehmer an dem Zuge versammeln sich in der Kirche des Heiligen und ziehen von dort unter dem Donner der Kanonen und dem Schmettern der Trompeten in großartiger Prozession stundenlang durch die Straßen, unterwegs in verschiedenen Kirchen Einkehr haltend. Den Zug eröffnen Fahnenträger und eine lange Reihe Geistlicher in golddurchwirkten Gewändern, zahlreiche Schüler, alle in Uniform, und Soldaten; sämtliche Teilnehmer tragen geweihte Kerzen in den Händen. Ihnen schließt sich wiederum eine große Zahl von Priestern an, in ihrer Mitte der ehrwürdige Patriarch mit einer goldenen Krone auf dem weißen Haupte; in den Pausen, die die Musik macht, murmeln alle Gebete. Unmittelbar hinter dem Patriarchen folgt die Hauptsache des Zuges, der heilige Spiridion in eigener Person, das heißt seine wohlerhaltene Mumie. Sie ruht in einem innen mit Purpur ausgeschlagenen Glaskasten mit durchbrochenem Goldrahmen und wird von vier Priestern wie eine Sänfte getragen. Mit dieser Reliquie hat es eine eigene Bewandtnis. Sie gehört nämlich merkwürdigerweise nicht der Kirche, sondern ist Eigentum der korfiotischen Familie Bulgaris, die sie ihrerseits dadurch erworben hat, daß vorzeiten ein Bulgaris mit einem jungen Mädchen sich verheiratete, das die Gebeine des heiligen Spiridion als Mitgift erhielt. Für die Familie Bulgaris nun ist der Besitz der Reliquie zu einer dauernden, nicht zu verachtenden Einnahmequelle geworden. Sie hat damit zugleich allerdings die dauernde Verpflichtung übernommen, stets ein Mitglied Priester werden zu lassen, um durch diesen gegen Gebühren die Wohltaten zu vermitteln, die der Heilige bei allen möglichen Unglücks- und Krankheitsfällen spenden soll. Hinter der Mumie und ihren Trägern folgen wiederum zahlreiche Priester und endlich die Volksmenge, die ebenfalls festlich gekleidet ist und Palmzweige in den Händen trägt. Unterwegs drängt sich immer mehr Volk heran, besonders in die nächste Nähe des Heiligen, um durch ihn Erfüllung seiner Wünsche zu erhalten. Mütter lassen ihre kranken Kinder mit den Händchen den Sarg berühren oder legen sie wohl gar auf die Erde an der Stelle, über die der Zug kommen wird, so daß die Träger über sie hinwegschreiten müssen, andere sammeln den Staub an der Stelle, die jene betreten haben, ein oder fangen das Wachs auf, das von den Kerzen neben dem Sarge herabträufelt. — Damit ist übrigens nur eine Auswahl aus der großen Zahl derartiger Gebräuche gegeben.

Phot. H. H. Johnston.

Abb. 432. Rumänen in Volkstracht.

Die Beinkleider sind aus Wolle oder Hanf, das über sie hinweghängende, durch einen Gürtel zusammengehaltene Hemd aus Leinen angefertigt. Die Jacke ist aus Schafpelz hergestellt, mit der Wolle auf der Innenseite, und außen mit bunten Wollfäden schön bestickt. Eine Lammfellmütze vollendet den Anzug.

Die Feier des griechischen Karfreitags beginnt schon am Abend vorher. Alles strömt dann bereits in die Kirchen, wo neben anderen Feierlichkeiten seidene Gewänder, in die eine Darstellung des im Grabe ruhenden Christus eingestickt ist, auf einer Art Katafalk inmitten des Schiffes ausgestellt und mit zahlreichen Blumenspenden geschmückt werden. — Der Ostersonntag wird auf dieselbe Weise, die schon bei der Darstellung der russischen Gebräuche geschildert wurde, eingeleitet und gefeiert. Die Straßen sind festlich geschmückt, und überall herrscht große Freude, die in allerlei Vergnügungen, namentlich in den Nationaltänzen ([Abb. 433], [436] und [442]) zum Ausdruck kommt. Auf dem Lande schlachtet jeder Hausvorstand an diesem Tage ein Lamm und bestreicht mit dessen Blut einen der Seitenpfosten an seiner Haustür sowie die obere Schwelle. — Bei den Rumänen besteht die schöne Sitte, daß am Ostermorgen die Frauen der wohlhabenderen Stände die Gefängnisse aufsuchen, um an die Gefangenen kleine runde Kuchen, denen das Kreuz aufgedrückt ist, zu verteilen. Ostern gilt ja auch bei der orthodoxen Kirche allgemein als das Versöhnungsfest. Die ländliche Jugend aber zieht am Osternachmittag in die Eichenwälder, um hier auf dem frischsprossenden Rasen der Waldwiesen das Auferstehungsfest durch ein lustiges Spiel zu feiern. Jedes Mädchen bringt in einem Weidenkörbchen eine Anzahl buntgefärbter Hühnereier mit. Im Walde stellen sich dann Burschen und Mädchen, je in einer Reihe, einander gegenüber auf und beginnen ein Spiel, das Tanz und Ballspiel in sich vereinigt, wozu Fiedel und Dudelsack ihre Weisen ertönen lassen. Die Mädchen werfen tänzelnd den Burschen die bunten, zerbrechlichen Bälle in hohem Bogen zu, wobei sie sowohl im Tanz wie auch beim Werfen eine bewunderungswürdige Geschicklichkeit und Anmut entwickeln. Aber auch die Burschen geben ihnen nichts nach und zeigen ihrerseits eine große Sicherheit im Auffangen, so daß nur selten ein Ei vorbeifliegt. Sind die Körbchen geleert, so beginnt das Spiel von neuem, nur mit dem Unterschied, daß jetzt die Rollen vertauscht werden, die Burschen also den Mädchen die Eier zuwerfen und diese sie auffangen. Auf solche Weise vergnügt man sich bis zum Anbruch des Abends, worauf der nationale Horatanz zu seinem Rechte kommt.

Phot. Th. Jürgensen, Kiel.

Abb. 433. Tanz der Ewzonen.