Nach H. C. Seppings-Wright.
Abb. 436. Griechischer Volkstanz,
der noch heute an den Tanz der Phäaken bei Homer erinnert.
Die Taufe findet für gewöhnlich am achten oder zehnten Tage nach der Geburt, und zwar meistens an einem Sonntage statt. Dieselbe Person, die bereits bei der Eltern Hochzeit Gevatter stand, pflegt bei der Taufe ihres Kindes das gleiche Amt auszuüben. Das Verhältnis zwischen dem Kinde und seinem Paten ist ein so inniges, daß die Mitglieder der beiderseitigen Familien nicht einmal untereinander heiraten dürfen. Ebensowenig ist es gestattet, daß ein Jüngling und ein Mädchen, die denselben Paten haben, die Ehe miteinander eingehen. — Bei den Rumänen schätzt man den Tag nach der Taufe, an dem das Salböl abgewaschen wird, ebenso hoch wie den Tauftag selbst. In das Bad zur Reinigung von dem Öle pflegt man eine Münze und ein Stück Brot zu werfen, was dem Kinde Glück und Reichtum bringen soll, desgleichen Basilikumkraut, um es begehrenswert zu machen.
Die Werbe- und Hochzeitsgebräuche sind bei allen Balkanvölkern ziemlich dieselben, was nicht wundernehmen wird, da sie alle jahrhundertelang unter der gemeinsamen Herrschaft der Türken gestanden haben. Vor Eingehung der Ehe wird im allgemeinen die materielle Frage erörtert, was indessen nicht ausschließt, daß gelegentlich auch Neigungsheiraten vorkommen. Für gewöhnlich bedient man sich eines Vermittlers, der die wichtige Frage der Mitgift zu regeln hat. Sind die Eltern nicht imstande, alle Kosten zu tragen, so nehmen wohl auch die Brüder des Mädchens einen Teil derselben auf sich. Im allgemeinen bleiben die Söhne so lange ledig, bis alle Schwestern unter die Haube gekommen sind, zumal wenn keine großen Altersunterschiede zwischen Söhnen und Töchtern bestehen. Außerdem ist es Sitte, daß die Töchter der Reihe nach verheiratet werden, so daß eine jüngere keine Ehe eingehen darf, bevor nicht die älteren versorgt sind. Bei der Verlobung werden Ringe zwischen den beiden jungen Leuten gewechselt, während die anwesenden Bekannten sie mit wohlriechenden Blüten des Mandelbaumes überschütten und ihnen eine recht baldige „Krönung“ (das heißt Trauung) wünschen. Erfrischungen werden herumgereicht, in manchen Gegenden wird auch ein festliches Mahl eingenommen. Auf Korfu besteht die Sitte, daß ein junges Mädchen, das verlobt ist, fortan eine Menge falscher Haare anlegt, die zu beiden Seiten des Gesichts aufgetufft und mit Streifen von rotem Stoff durchflochten werden. Diese unechten Haare werden später das ganze Leben lang getragen und vererben sich von einem Geschlecht auf das andere. — In Griechenland findet sich vielfach noch die Sitte des Kinderverlöbnisses (siehe die [Kunstbeilage]).
Verlag Benziger & Co. A.-G., Einsiedeln.
Aus: Netzhammer, Rumänien.
Abb. 437. Rumänische Beerdigung.