Die nilotischen Stämme leben in walzenförmigen, sich nach oben zu wie ein Kegel verlängernden Hütten, die aus Geflecht und Lehm, manchmal nur aus letzterem aufgebaut sind und ein Grasdach ([Abb. 89]) tragen. Der Eingang zu ihnen ist oft so niedrig, daß man nur auf allen vieren hineingelangen kann. Die Hütten der Latuka ähneln in ihrer Form Glocken oder, richtiger gesagt, großen Kerzenauslöschern. Ihre Mauern sind nur etwa zweieinhalb Fuß hoch, dafür aber erhebt sich über ihnen das Dach bis zu mehr als zwanzig Fuß Höhe. Die Barihütten ([Abb. 91]) sind sehr sorgfältig gebaut, schön verputzt und stets von einem kleinen Hofe umgeben, dessen Boden mit einem lehmartigen festen Gemenge aus Ameisenhaufen, Kuhmist und Asche belegt wird. Die Acholi bauen Hütten, deren Dach bis auf die Erde reicht. Die Innenwände werden von ihnen mit Zeichnungen in Rot, Weiß und Hellgrau bemalt; diese Zeichnungen stellen entweder geometrische Muster oder herkömmliche Figuren von Menschen und Tieren dar; ganz eigenartig sind ihre Schlafhütten ([Abb. 90]).
Phot. Jennings Bramley.
Abb. 88. Latukakrieger mit eigenartiger Haartracht,
die die Form eines Helms hat und vielfach noch mit Federn verziert wird.
Die meisten Niloten sind in ihrer Hauptbeschäftigung Hirten und verfügen über stattliche Herden; besonders bei den Dinka stellen diese einen großen Reichtum dar. Die Latuka erbauen in der Nähe ihrer Viehkrale hohe Plattformen ([Abbild. 92]), von denen aus sie eine weite Umschau halten können, damit sie beizeiten den Feind bemerken, der etwa einen räuberischen Überfall auf ihre Herden plant. Vieh gilt allgemein als Münze, und der Wunsch, sich die Herden des Nachbarn anzueignen, gehört gleichsam zur Tagesordnung und ist die Ursache der häufigen Raubzüge der einzelnen Stämme, die ihre Kriegführung ausmachen; die Dinka bekämpfen sich besonders auch untereinander. — Beim Umherziehen bedienen sich die Frauen der Araberstämme der Sänften ([Abb. 95] und [96]), die mitunter recht kostbar sind. Die Baggara reisen auch auf Ochsen ([Abb. 108]).
Phot. G. H. Morhig.
Abb. 89. Hütte der Dinka zu Lao, Bahr-el-Ghazal.
Die Dinkahütten sind walzenförmig, aus Flechtwerk und Lehm hergestellt und mit Gras oder ähnlichem pflanzlichen Material gedeckt. In Gegenden, die durch Überschwemmungen zu leiden haben, stehen sie auf Pfählen.