»Dann komm ich noch einmal zu Ihnen heran. Von Ihrem Vater habe ich mich ja schon verabschiedet, von Ihnen könnte ich das jetzt auch endgültig thun, aber ich möchte doch noch einmal das ganze Haus sehen. Es hängen doch viel Erinnerungen daran. Schon aus der Pennälerzeit her und dann erst später, als Sie immer grösser und schöner wurden …«

Brigitte Winterfeld wurde rot.

»Für mich auch,« sagte sie hastig.

Dann schämte sie sich. Es fiel ihr ein, dass bei ihr, die das Haus bewohnte, die Erinnerungen doch nur natürlich wären. Aber er hatte sie wohl verstanden. –

Die Kinder an den Händen fassend, ging sie dem Pfarrhaus zu. Otto Ehlers sah ihr nach. Mit der Rechten strich er sich mechanisch den kurzen, blonden Vollbart, und in seinen Augen wechselte in jäher Folge ein glückliches Leuchten mit tiefer Traurigkeit. – – – –


Es war schon Abend, als sie nach Hause kam, und tiefe Dämmerung füllte das ganze Zimmer. Halbverdeckt von Wolken, die immer dunkler wurden, je weiter sie sich von ihm entfernten, stand der Mond am Himmel und sah durch das Fenster.

Brigitte Winterfeld rollte sich einen Sessel an die Scheiben und setzte sich.

Die Sträucher in dem kleinen Vorgarten schwankten dunkel und traumhaft auf und nieder. Es mochte wohl ein Wind aufgestanden sein. Farben waren nicht mehr zu erkennen. Nur einige Rosen, die im Mondlicht standen, nickten mit gelben Köpfen zu ihr herüber.

Und weiter, über den Pfad hinaus, den er kommen musste, reckte sich schwarz und drohend der Fichtenwald. Zwischen den Stämmen aber, von dem dunklen, verschwommenen Grunde, hoben sich hier und da schmale, lichte Wege ab wie mit Goldkies bestreute Gnomenstrassen.