Stadt-K. S. Wenzel. Nach Bränden 1411, 1473, 1517 und aus nachfolgenden Herstellungen in höchst eigenartiger Gestalt hervorgegangen. 1411-73 die östl. Hälfte; für sich betrachtet ergibt sie einen normal angelegten, langgestreckten 1sch. Chor mit 5/10 Schluß in ziemlich großen Abmessungen, zu beiden Seiten 2 Türme. Das Gemeindehaus war vor 1473 kaum erst begonnen (das geradlinige Mauerstück mit Portal an der NSeite); ob die jetzige Grundrißdisposition noch 1473 oder nach 1517 getroffen wurde, ist zweifelhaft. Entscheidend für sie ist die Rücksicht auf die an dem Choreingang angeordnete Kanzel. Hallenkirche von 2 kurzen geraden Jochen und polygonalem, einem flachen Kreissegment sich anschließendem westl. Abschluß (1516). Auf diese Weise wurde die Gesamtanlage zu [pg 295] einem Zentralbau, wenn auch einem unsymmetrischen, umgestempelt. Das Gemeindehaus 33 m breit, nur 19 m tief. Die Decken flach, in letzter Gestalt 1724. Bei bedeutender Höhe ist der Raumeindruck ein sehr eigentümlicher. Am Außenbau die OTeile verschwenderisch dekoriert, mit viel eigenwilligen Zügen im Einzelnen und starker malerischer Gesamtwirkung; die WTeile fast ärmlich vereinfacht, ausgenommen die 3 Portale im N, S, W. Von den Türmen nur der nördl. ausgeführt. Um 1600 baute K. Steiner das Obergeschoß der Sakristei in gut verstandenen got. Formen, gleichzeitig die Balkone des Innern in Renss. Von den 16 ma. Altären nichts erhalten außer einigen gemalten Tafeln: »Lasset die Kindlein zu mir kommen« 1529 von L. Cranach, eine der besten Arbeiten seiner späteren Zeit; Anbetung der drei Könige 1522, Frühbild Cranachs? Heilige Nacht von Barth. Spranger, A. 17. Jh. — Hochaltar riesiges Schreinerwerk von 1680 mit Gemälde von Hermes in Dresden. — Kanzel um 1740. — Messingenes Taufbecken 1441, am 6seitigen Kessel Reliefs, Fuß neu. — Von historischem Interesse der Grabstein des Pagen Gustav Adolfs, Augustus v. Leubelfing — Trümmer eines großen Marmorgrabmals um 1630, u.a. Standbild der Caritas. — Im Schatz gute Arbeiten des Ratsgoldschmiedes Krugelstein 1680.

S. Othmar. 1691-99. Rck. von 15 : 26,50 m mit leicht vortretender, gerade geschlossener Altarnische; der östl. Teil in 2 Jochen 3sch., der westl. mit flacher Holzdecke; der erst quadr., dann 8eck. Turm über dem Altarhaus. Architekturformen und Ausstattung sehr schlicht. — Aus älterer Zeit, ca. 1520, ein guter 3flügeliger Schnitzaltar. — Im SFenster des Altarhauses Glasgemälde 1539.

S. Marien. 1712-30. 1sch. Emporensaal; an der Decke, einem Spiegelgwb. aus Holz, hübsche Stuckaturen und flüchtige Gemälde. Das Äußere nüchternster Art.

Wenzelskirchhof. Einige Grabmäler nicht ganz ohne Interesse, z. B. das des Hans Weis, 1568, im Erbbegräbnis Patschke links vom Eingang.

Rathaus. Nach Brand 1517, Dacherker bez. 1528, 1556 die Fürstenstube, 1612 das Hauptportal. Die langgestreckte Marktfront hat 3 Geschosse, am hohen Walmdach 6 Zwerchgiebel, dekoriert mit blinden verschränkten Kielbgg. in trockenster Spätgotik, aus Ziegeln gemauert (eine in Thüringen seltene Technik) und wie die ganze Front geputzt. Im Innern Stiegentreppen in feiner Frührenss. bez. 1556; aus demselben Jahr der Fürstensaal, dessen Stuckdecke jedoch 1655. — Trinkhorn etwa M. 14. Jh. mit schönem Lederfutteral.

Wohnhäuser. Die Epoche nach den großen Stadtbränden 1517 und 1532 durch Portale, Erker und Giebel reichlich vertreten, jedoch nichts eigentlich Hervorragendes darunter. — Marktbrunnen mit S. Wenzelstatue 1579.

Stadtbefestigung. Seit 1820 großenteils niedergelegt; erhalten das Marientor von 1446; klassizistische Wachthäuser am Jenaer Tor.

NAUNDORF. Pr. Sachsen Kr. Delitzsch.

Dorf-K. sprom. Überraschend elegantes Portal; im abgetreppten Gewände je 2 Sll. mit gewundenen oder im Zickzack, dessen Spitzen in Dreiblätter ausgehen, kannelierten Schaften; das Tympanon in 2 Quadranten geteilt, Rosetten und freies Randornament.

NAUNDORF. K. Sachsen AH Oschatz.