VEITLAHM. OFranken BA Kulmbach.
Pfarr-K. 1597. In origineller Weise gotisierend. Flachged. Lhs. mit eingebautem Treppen-Turm. — Gute ikon. Grabsteine der Herren v. Künsberg 16. und 17. Jh. Bronzeepitaph 1551 gegossen von Kunz Neilich. — Befestigter Kirchhof.
VEITSBERG. Sachsen-Weimar VB Neustadt.
Kirche. Ältester Bestandteil der OSchluß des nördl. Ssch., vielleicht von einem Bau des 11. Jh. (Lehfeldt vermutet Burgkapelle der Grafen v. Gleisberg) und in diesem Fall der älteste erhaltene kirchliche Bau im thüringischen Vogtland. Das Kreuzrippengewölbe unmöglich von 974 (Lehfeldt nach Mothes); immerhin ist die Konstruktion altertümlich, indem der eine Diagonalbg. durchgeht (von NO nach SW), der andere in zwei Armen gegen ihn stößt. — Die übrigen Teile der K. zeigen eine verworrene Folge von Erweiterungen und wiederum Reduktionen: sprom., hochgot., spgot. — gAltarwerk um 1480. Außen an den Streben Reliefs aus der Passion (nach Lehfeldt um 1360, nach Mothes um 1170). — Got. Wandmalerei am Triumphbg. und am Chorgwb. — Glasbilder in den Chorfenstern nach Lehfeldt um 1210 (?).
VESSRA. Pr. Sachsen Kr. Schleusingen.
Kloster-K. (Prämonstrat.) Ruine. Gegr.1131, Brand 1201 kaum von umfassend zerstörender Wirkung. Kreuzf. flachged. Basilika mit strenger Quadratur in den Abmessungen des Gr. und Triangulatur des Querschnittes. Lhs. 32 : 16 m, 9 Arkaden auf schlichten quadr. Pfll., am Sockel attisches Profil, am Kämpfer Schmiege mit Schachbrettmuster. Die Fenster des südl. Ssch. rundbg. und einfach abgeschrägt, die des nördl. Ssch. got. erweitert. Der westl. Vierungsbg. auf Kragsteinen. Gegen N und S sind keine Vierungsbgg. vorhanden. Der quadr. Vorchor mit 1/2kr. Apsis und die 1/2kr. Nebenapsiden zerstört, doch in den Fundamenten zu erkennen. Keine Krypta; (die Gewohnheiten der Prämonstratenser in dieser Hinsicht dieselben wie die der Hirsauer und später der Cistercienser). Pfll. und Bgg. in Sandsteinquadern, Mauern in Bruchstein. — Der WBau wohl nach dem Brand von 1201. Zwei vierseitige Türme flankieren die rck. Vorhalle; Kreuzrippengwbb.; Rippenprofil rck. mit vorgelegtem Plättchen und leicht geschärftem Rundstab; auf Ecksäulchen mit dekorierten Würfelkapitellen ruhend. Nach außen öffnet sich die Vorhalle in einer weiten rundbg. Arkade, in das Schiff führt ein reiches, dreifach abgetrepptes sprom. Portal. Die Fassade beginnt mit energisch profiliertem Sockel. Die wagerechte Teilung durch Gesims und Bogenfries entspricht der Höhenabstufung der Schiffe; [pg 406] schmälere und breitere Lisenen vollenden die wohlproportionierte, von keinen Fenstern unterbrochene Flächengliederung. Hierauf folgt in anderem Material je ein freistehendes Turmgeschoß mit spitzbg. Blenden und ein Zwischenhaus mit Satteldach, an der niederen Wand eine rundbg. Arkatur. Die Obergeschosse aus späterer got. Zeit und in schlechterer Technik. Am nördl. Qsch. die Begräbniskap. der Grafen v. Henneberg, gew. 1182; die Bestimmung der analog im S errichteten ist ungewiß; vielleicht die 1149 gew. Abtkapelle S. Georg? — Rom. Taufstein, breite Schale mit säulenartigem Fuß. — In der Klostermauer eine Torfahrt; das Gewände dreifach abgetreppt und mit Sll. ausgestellt, die Bg.Läufe mit Zickzackornament in rck. Umrahmung; eine daneben befindliche kleinere Tür vermauert. Die jetzige Schmiede wird als ehemalige Pförtnerei gedeutet.
VIERZEHNHEILIGEN. Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld.
Dorf-K., früher Wallfahrt, geräumiger Bau aus M. 15. Jh.
VIERZEHNHEILIGEN. OFranken BA Staffelstein.
Wallfahrts-K. und Cistercienserpropstei. Beg. 1743 von Balthasar Neumann; nach seinem Tode (1753) genau in seinem Sinne weitergeführt; voll. 1772. — Die immer weiter ausgreifende Phantasie des großen Rokokomeisters wagt in diesem Alterswerk ein Äußerstes. Zwar die Außenansicht verrät noch nichts Ungewöhnliches; sie scheint einer kreuzförmigen Basilika zu entsprechen. Aber das Innere ordnet sich keiner einzigen bekannten Raumkategorie ein. Es ist möglich, daß Neumann die erste Anregung von der benachbarten Klosterkirche Banz empfangen hat; nur erscheint Dientzenhofers Kühnheit im Vergleich mit dem, was hier unternommen wurde, schüchtern. Der erste Anblick läßt das geometrische Prinzip, nach dem die Gewölbe und ihre Stützen geordnet sein könnten durchaus im Unklaren. Die Gerade kommt nur vor, wo sie statisch unvermeidlich ist, d. h. als Senkrechte an Pfeilern und Säulen; alle zur Grundfläche parallel laufenden Linien sind Kurven, und zwar Kurven zweiter Ordnung, ebenso die Gewölblinien. Nach und nach entdeckt man dann folgendes (vgl. den Gr. bei Dohme und Gurlitt): Auf der M. der Längsachse steht der Gnadenaltar der vierzehn Nothelfer; über ihm eine ovale Flachkuppel, von Freipfll. mit vorgesetzten kolossalen korinth. Sll. getragen; hieran schließt sich nach der Längsachse im O und W je ein kleineres Oval; wo sie sich mit dem mittleren tangieren, werden Querachsen gebildet; eine kürzere, an die Umfassungsmauer des Lhs. reichende im W; eine längere, auch nach, außen als Qsch. sich geltend machend, zwischen dem Hauptoval und dem Choroval. Diese Figuren [pg 407] werden jedoch nur in den Gewölben selbst erkennbar, die Grundrißstellung der Stützen bringt von ihnen nur Segmente zur Erscheinung. Sodann gibt es keine zusammenhängenden Kämpferlinien, da über allen Intervallen Stichkappen in die Kuppelflächen eingreifen. An den Kreuzungspunkten der beiden Querräume mit dem Längsraum, wo man sonst eine zusammenhängende Form oder eine Höhensteigerung zu finden gewohnt war, fliehen sich hier die Gewölbelinien und sinken sie ein. Im Sinne der Hochrenss. wäre dies alles barbarische, antiarchitektonische Willkür; was Neumann sucht, ist die Poesie des Geheimnisvollen. Leider hat der Meister in seinem abstrakt gewordenen Denken durch einige schwere Fehler sein eigenes Werk gestört. Die ganz entsetzliche Gestalt der Nebenräume, in denen man auf der einen Seite gerade Linien, auf der anderen unverständliche Kurven hat, mag noch hingehen. Unentrinnbar störend sind aber die Fenstereinschnitte, die völlig außer Zusammenhang mit dem inneren Rhythmus das Bild an zahllosen Stellen durchlöchern. Sie sind es auch, die keinen vollen Genuß an dem für sich sehr harmonischen Kolorit der prachtvollen Verkleidung mit Marmorstuck aufkommen lassen. — Die Frage, ob diese Architektur dem Bar. oder dem Rok. zuzuzählen sei, ist müßig. Entschiedenen, programmatischen Rokokocharakter haben aber die Altäre, soweit sie von Neumann selbst herrühren, vor allem der zentrale Gnadenaltar; an ihm ist jeder Anklang an die architektonische Form vermieden. Nicht ganz so extrem die Seitenaltäre von J. M. Feichtmayer. Das Hochaltarblatt und sämtliche Fresken von Giuseppe Appiani (mehrere nach dem Brand 1835 erneuert). — Die Fassade bildet in der Mitte eine vorspringende Kurve und wird von zwei von unten auf 8eck. Türmen begleitet; zum Ruhme des Meisters kann sie nicht beitragen.