ZEITZ. Pr. Sachsen Kreisstadt.
Pfarr-K. S. Michael. Die OWand des Qsch., der Apsidenbogen und der Unterbau der 2 WTürme frührom. Für das letztere, in Thüringen durch kein älteres Beispiel beglaubigte Motiv ist das Fehlen genauerer Datierung besonders zu bedauern. Langhaus, Chor und Stirnwände des Qsch. frühgot. gegen 1300. Die schmalen Fenster zu je 2 gruppiert. Aus dieser Zeit die bmkw. Wandgemälde des Chors mit Stuckauftrag an Nimbus und Gewandsäumen. Von den einst 12 Kolossalfigg. (2-3 m hoch) sind 7 wiederhergestellt. — Spätgot. Umbau als Hallen-K. nach der Zerstörung durch die Hussiten 1429. Spätgot. Wandgemälde, darunter Totentanz. Übermalt mit einem kolossalen S. Christophorus. Die Gemäldespuren im Qsch. frühgot. In der Sakristei guter bar. Ölberg.
Schloß-K. S. Peter u. Paul. (Bis zur Verlegung des Bistums nach Naumburg im 11. Jh. Domkirche.) Ältester Teil die Krypta, erb. 974 ff., erweitert nach 1032, die Gwbb. aus 12. Jh. Wichtige Zeugnisse für den Stand der ottonischen Kunst nahe den damaligen Ostmarken sind die 2 × 4 Säulen, in denen fast verloschene Erinnerungen an die Antike mit mühsamen Neubildungen sich mischen; besonders bezeichnend ein nach der Würfelform tastendes Kapitell, auf dem gleichwohl in flachem Relief aufgerollte Akanthusstengel ausgearbeitet sind. — Von der Basilika des 12. Jh. hat sich erhalten die Vierung, ein Teil des QHauses und Teile der WTürme. — 1433-44 Umbau als spätgot. Hallen-K. An den ähnlich wie im Erfurter Dom gegliederten Bündelpfll. 13 [pg 455] lebensgroße Standbilder. Rom. Taufstein, Becken vierpaßförmig, Fuß als attische Basis. An den Wänden ein Kreuzigungsrelief in Alabaster aus 16. Jh. und 7 Grabdenkmäler der Bar.Zeit. In der Krypta 13 reiche Zinnsärge aus der Familie der Herzöge von Sachsen-Zeitz. 16 Grabsteine (durch moderne Zementrestauration mißhandelt) im Kreuzgang.
Franziskaner-K. um 1300. Hauptschiff mit 1 Ssch., der gegen 1400 verlängerte Chor mit 5/10 Schluß, das Ssch. unten zum Kreuzgang gezogen, oben als Empore ausgebildet (vgl. Marienstern). — In einem Raum des ehemaligen Klst. (jetzt Konferenzzimmer des Gymnasiums) bmkw. Spuren von Wandmalerei des 15. Jh.
Nikolai-K. neu. Aus der alten die Glocken (wahrscheinlich von F. Eisenberg), ein Gemälde Cranachs d. Ä.
Stephans-K. An Stelle eines ma. Klst. 1739. Gute Rokoko-Ausstattung.
Rathaus 1502-09 von Sebald Waldstein aus Altenburg. Bezeichnend für die letzte Phase der Spätgotik. Die Komposition beruht auf der Kontrastierung der ganz schlichten, durch unregelmäßige Fensterreihen schwach belebten Wände mit der reichen Ausstattung der Giebel (Maßwerk aus gebrannten Formsteinen) und des mit 5 Erkern besetzten hohen Satteldachs (rest. 1909). Ratskeller 1505, großräumig, mit 4 Rippengwbb. eingedeckt.
Schloß. Die ma. Anlage im 17. Jh. verstärkt, 8 Rundtürme, in den herzogl. Zimmern Stuckdekoration um 1700, Saal mit Kassettendecke. — Bmkw. Stadtbefestigung 14-16. Jh., von ihr 6 Türme erhalten.
ZELL A. M. bei Würzburg UFranken.
Prämonstratenser-Klst. Oberzell. Gegr. 1128. Der Bau bald darauf beg. Chor und Qsch. A. 17. Jh. neu aufgebaut (1838 z. T. wieder abgetragen). M. 17. Jh. das rom. Lhs. eingewölbt, unter Abt Hammerich (1692-1720) stuckiert, WFassade bez. 1696. — Das unter der Bar.Hülle erhaltene rom. Lhs. gehört zu den klarsten und gediegensten Bauschöpfungen aus der Klasse der rom. Sll.-Basiliken. Das Lhs. hat 8 Arkaden, die Sll. verjüngt und geschwellt, die att. Basen eckblattlos, die Würfel-Kaptt. jetzt vom Stuck verdeckt. Im WBau ist die doppelgeschossige Vorhalle hinsichtlich der urspr. Anlage nicht mehr ganz deutlich. Die Turmhallen hatten Öffnungen (jetzt zugesetzt) gegen die Sschiffe. Das rom. Portal am 1. Joch des südl. Ssch. führte in den ehemaligen Kreuzgang. Die 1696 vorgeblendete Sandsteinfassade ist mit jonischen Pilastern 1geschossig gegliedert; Statuen von Maucher. — [pg 456] Stiftergrabmal 1604, wohl nach got. Vorbild. — Klostergebäude 1744-60. Keine von den ganz großen Anlagen, aber in der reichen und vornehmen Behandlung ihres Meisters, Balth. Neumanns, würdig. Die Fassade in langgestrecktem Aufbau von 19 Achsen, die linke Hälfte (Abteiflügel) nicht ausgeführt; im Aufbau Erdgeschoß, Hauptgeschoß, Mezzanin in ausgeprägter Kontrastierung; die Endrisalite wenig, das mittlere stark herausgehoben. Im Treppenhaus interessiert vor allem die Raumlösung; die Dekoration nicht hervorragend. Die Innenräume (Kapitelsaal, Sommer- und Winterrefektorium) einheitlich in Stuck dekoriert. Im Erdgeschoß Deckengemälde von Franz Asam 1758 (dem Sohn Cosmas Damians). Rom. Hoftor, aus M. oder 2. H. 12. Jh., durch die Seltenheit derartiger Anlagen (vgl. Bd. IV, Remagen) besonders interessant. Geteilt in Einfahrt für Wagen und kleines Fußgängerpförtchen, Gewände und Bgg. reich profiliert; Quadermauer; Abschluß des Torbaues durch Rundbogenfries. — Reich behandelte rom. Säulenreste, wohl vom Kreuzgang, an mehreren Stellen des bar. Neubaues wiederverwendet.