Cornelius flog auf dem Verdecke hin und her, vertheilte Geld unter die Leute und befeuerte ihre Kampflust. Da fiel sein Auge auf die Thüre, die zu der Cajüte führte. Noch immer stand hier in ruhiger Haltung Clelia und hatte die Blicke auf die Bewegung des feindlichen Schiffes gerichtet.
»Ich beschwöre Euch, geht hinab!« sagte er drängend zu der Geliebten. »Euere Gegenwart lähmt meinen Muth, Euer Anblick macht mich erbeben; dagegen wird der bloße Gedanke, Euch in der Nähe zu wissen, für Euch zu kämpfen, mich begeistern und unüberwindlich machen. Noch einmal, geht hinab! Ihr seyd ein lockendes Ziel für das Geschoß des Feindes, Ihr könnt ja doch hier nicht nützen, Ihr könnt nur hindern.«
»Gut!« erwiederte Clelia, dieses einsehend. »Ich gehe hinab, aber nur in der Erwartung, daß mir die Verwundeten zur Pflege nachgesendet werden.«
»Die ganze Affaire hat wahrscheinlich nicht viel zu bedeuten;« sprach Cornelius, mehr um jede etwa erwachende Besorgniß der Geliebten zu zerstreuen, als weil er selbst daran geglaubt hätte. »Das befreundete Fahrzeug, das wir in der Ferne uns folgen sahen, kann mit jedem Augenblicke eintreffen und dann wird der Spanier alle Segel aufsetzen und so rasch, als möglich das Weite suchen.«
»Das ist zweifelhaft;« antwortete sehr ruhig Clelia. »Wir haben nur auf den Augenblick zu denken und müssen der Gegenwart dienen, jeder nach seinen Kräften.«
Mit diesen Worten wandte sie sich von dem Junker und stieg langsam die enge Treppe hinab.
»Herrliches Mädchen!« sagte dieser für sich, indem er ihr entzückt nachsah. »Wie sehr habe ich dich verkannt! Wie sehr habe ich gegen dich gesündigt! Mußte denn erst mein Vergehen die tief liegende Stärke deines Characters, deine Geisteskraft, vor der ich mich gern beuge, hervorrufen?«
Diese Betrachtungen wurden durch die Kanonenschüße der Schebecke, die jetzt schnell aufeinanderfolgten, unterbrochen. Sie war durch ihre wohlausgeführte Wendung der Syrene näher gekommen. Als aber die Spanier bemerkten, daß diese ihnen jetzt nur den Vorsteven zur Zielscheibe ihrer Geschoße darbot, gaben sie ihr nicht die beabsichtigte ganze Lage, sondern bestrichen sie mit einzelnen Schüßen, die aber, wenn sie trafen, unschädlich an den starken eichenholzenen Seitenwänden hinschwirrten.
»Auf die Leeseite!« erklang jetzt des holländischen Capitäns Commandoruf. »Wir wollen ihnen eine Anzahl eiserner Erbsen zuschicken, die ihnen den Appetit verderben soll. Herrmanneke,« schrie er nach dem Bootsmann hin, »richte schnell die Stücke. Dein Auge ist fest und wohin es sieht, ist’s schon so gut, als wenn getroffen wäre!«
Während das finstere Gewölk, das sich vor einigen Minuten erst über den Häuptern der Streitenden gezeigt hatte, nach und nach den ganzen Horizont einnahm und die Tageshelle in beginnende Dämmerung verwandelte, wurde den Befehlen Jansens eilige Folge geleistet. Beckje, die zwar diesesmal keinen thätlichen Antheil am Kampfe nahm, trug doch durch ihre Scherze, durch ihre immerwährend heitere Miene und durch Erquickungen, welche sie vertheilte, Viel zur Erhaltung und Belebung der allgemeinen Kampflust bei. Sie begann jetzt mit heller, klingender Stimme, die auf dem ganzen Verdeck vernommen wurde, das Lied zu singen: