Aufgebracht, erzürnt stand der Hochgewachsene vor ihr, als sei er es, der grimme und berechtigte Vorwürfe über die Zudringliche ausschütten dürfe, weil eine Fremde sich unterfinge, sein Dasein zu beladen oder dem Ungebundenen eine Richtung weisen zu wollen. Dazu hielt er noch immer die Hand des Knaben in der seinen und umspannte sie, daß die Blonde einen leisen Wehruf nicht unterdrücken konnte. Und doch, die verletzende Offenheit des wilden Menschen, die das klägliche Schicksal einer Vernichteten erst in seiner ganzen kargen Armut enthüllte, gerade diese schonungslose Roheit, sie ließ die Edelingstochter einen Rest ihres alten angeborenen Stolzes wiederfinden, das Bewußtsein ihrer geraden, rechtlichen Art.

»Was sprichst du von anderen Weibern?« beharrte sie fest. »Begreifst du nicht, daß du mich für immer hinweggelöscht hast? Sei gewiß, niemals werde ich dich an mein Wesen erinnern, aber auch nicht dulden, wenn es im Gedächtnis anderer wieder auflebt. Zudem in der Stunde der Gefahr bietet das weite Meer ringsum für jeden Mutigen eine Freistatt.«

Ruhig entzog sie dem Admiral ihre Hand und lüftete die Kappe von ihrem Haupt. Und jetzt bemerkte der Erstaunte erst, wie ihre Haare kurz abgeschnitten waren, gleich denen eines Knaben. Kopfschüttelnd, mit einem halben Lächeln über die Zähigkeit ihres Willens trat der Störtebecker zurück. Sein Gast aber sprach mit unvermindertem Nachdruck weiter:

»Darum, noch einmal, Claus Störtebecker, dulde mich. Denn mir ist es, als ob mein Leben erst enden könnte, nachdem ich das Glück der vielen Tausende geschaut habe, um derentwillen du geboren bist.«

Es lag ein solcher fernseherischer Glaube in dieser Bitte, daß er jedem anderen an die Seele gerührt hätte. – Claus Störtebecker indessen begann plötzlich zu lachen, streckte sich auf das Lager, und indem er bequem das Haupt aufstützte, warf er hin:

»Sage mir, wie heißt du, Büblein?«

Obwohl sie alle Kraft aufbot, errötete doch die Gefragte.

»Linda,« entgegnete sie, an sich herabschauend.

»Gut,« lobte der Admiral und betrachtete neugierig die ranke Gestalt, »so will ich dich Licinius taufen.« Und auf ihren verständnislosen Ausdruck setzte er angeregt hinzu: »Merke dir, dein neuer Schutzpatron war im alten Rom einer von jenen, denen weder Suppe noch Braten schmecken wollte, solange die Hungrigen in ihren Pesthöhlen verfaulte Tiberfische fressen mußten. In dir sitzt von dem Mann etwas, das ich gern habe. Und nun suche dir hier ein Loch zur Behausung. Was schiert es mich? Es waren schon viele Weiber auf dem Schiff. Du magst bleiben, solange deine Grille zirpt oder es dir sonst Spaß bereitet. – Geh, Licinius.«