»Wie lange warten wir nun auf den Wichmann?« fragte er zurücksinkend.

»Es geht bald in den zweiten Mond, Herr,« zögerte der Knabe.

Der Störtebecker streckte sich lang aus und preßte die geballte Faust schwer auf seine Brust. Dann sprach er langsam:

»Ich sage dir, Licin, wenn der jüdische General so lange hätte lauern müssen, wer weiß, ob sein Tatwille nicht gebrochen wäre. Das Warten hat zwei eiserne Arme, komm, ich wollte, mich umfinge Weicheres.«

Als sich jedoch neben ihm nichts rührte, schwieg der Riese eine geraume Weile, bis er endlich die Hand des Knaben suchte, um sich die Finger des Gefährten gewaltsam und wie zur Kühlung auf die geschlossenen Wimpern zu betten. Und wieder nach langer Zeit forschte er, als ob ihn ein Traum beschäftige.

»Sage mir, Bursche, was blickst du so aufmerksam auf die Dünen, seitwärts von der Felsenschlucht?« Der Liegende warf den Arm vor und zeigte auf die ferne, strichfeine Küste. »Merkst du dort eine hölzerne Hütte? Und daneben den Stall für die Ziegen?«

»Nichts schaue ich, Herr,« entgegnete der andere verwundert.

»Doch, du gibst dir nur keine Mühe. Rauch ringelt aus dem Schlot. Und in dem Riedgras vor der Schwelle steht – – – «

»Wer?« wagte Licinius zu unterbrechen.

»Ich selbst,« fuhr der Störtebecker plötzlich ungestüm in die Höhe, packte seinen Gefährten an der Brust und schüttelte ihn unter einem rauhen, abwehrenden Gelächter. Ganz nahe brannte das wilde Gesicht des Freibeuters vor den sanften erschreckten Augen des ihm Preisgegebenen.