Gleich einem Fürsten ward der Schuimer auf Burg Neß bewirtet. Occa ließ ihm ein wohlduftend Bad richten, Knechte und Mägde bedienten ihn, frisches Linnen ward dem Gast gereicht, und immer hörte der in der Badestube lärmend Singende, wie die Hausfrau nicht weit von der geschlossenen Tür herumstrich. Diese Nähe bestärkte ihn noch in seinen wilden Vorsätzen. Allein bald merkte er, wie die glatte Tochter der Quade es mit vieldeutigem Lächeln darauf abgesehen hatte, ihn zu necken und dem Gewalttätigen unter allerlei Schmeichelei und trügerischer Zuvorkommenheit die Hände zu binden. Ja, manchmal blitzte es in dem Geiste des Riesen geradezu auf, als ob alles nur geschehe, um dem abwesenden Ferkel ein Ergötzen zu bereiten. Occa saß zwar beim Mittagsmahl neben ihrem Gaste an der Herrenseite der Tafel, jedoch der lange Saal war mit so zahlreicher Dienerschaft angefüllt, Köche, Mundschenken, Spießknechte liefen ab und zu, daß jedes vertrauliche Wort untergehen mußte, und der Störtebecker, nachdem er im Unmut Becher auf Becher herabgestürzt, plötzlich aufbegehrte:

»Du Allerschönste glaubst wohl, ich sei einer der beiden futterneidischen Päpste oder König Wenzel, der Hundezüchter[[*]], daß du so bunt geschmückte Pfauen vor mir auftragen läßt? Und weißt doch, wie mein Sinn nach ganz anderer Labe steht.«

[[*]] Man erzählte damals, daß König Wenzel seine erste Gattin eines Nachts durch seine wilden Hunde zerreißen ließ.

»Du könntest auch mehr sein, als du bist,« entgegnete die Goldblonde zur Seite rückend.

Der Schuimer verstand dies nicht. »So laß mich aufbrechen,« fuhr er wütend vom Stuhl.

»Bleib',« flüsterte Occa hinter ihrer Hand.

Da vermochte der Begierige sich nicht loszureißen.

Am Abend gab es auf der Burg Neß ein Gelage. Im Vorbeireiten waren Propst Hisko van Emden sowie Occas sprudelköpfigster Verehrer, der junge Allena, auf der Feste eingekehrt, und nun saßen die Männer in dem langen Saal hinter den Weinkannen beieinander, ließen abwechselnd den unsichtbaren Hausherrn, aber noch öfter die um den Durst ihrer Gäste so sorglich bemühte Burgfrau leben, und unter klappernden Würfeln, unter Lärm und Schelmenliedern wußten sie allerlei von den Händeln des gerade jetzt bedrohlich aus den Fugen brechenden Reiches zu berichten.

»Weißt du schon, Teurer,« schlang der Propst weinselig seinen Arm um den Nacken des Seefahrers und brachte seine wulstigen Lippen bis dicht an das Ohr des Gefährten, »wir sind drauf und dran, den Prager Judenschlächter[[*]] in die Moldau zu werfen. Wir jagen ihn fort. Kann auch in einem Weinfaß Buße tun. Gib acht, bald wird der Pfälzer[[**]] auf seinen Stuhl hüpfen. Da schlägt für mutige Degen, wie dich, ein glücklich Stündlein. Wie mancher ritt nicht unter einem Federhut aus und kam mit einer Krone heim. Wie wär's, du Siebenschuhhoch? Wir könnten den Handel selbander schlichten!«

[[*]] König Wenzel, zu dessen Absetzung schon Vorbereitungen getroffen wurden.