Allein der Streitsüchtige hatte nur noch den einen Wunsch, diesen unbequemen Mahner sowie namentlich den von jenem angebeteten Menschengott niederzuringen und zu besudeln. Vielleicht weil er das Streben und die Andacht der beiden noch nicht begriff. Selbstgefällig steckte er die Hände in die Taschen, und während er seinem Genossen jäh den Rücken wandte, schimpfte er unflätig:
»Meinetwegen friß den geliebten Kot, du demütiger Knecht. Ha, ich sollte nur erst wieder auf den Schiffen stehen, dann wollte ich euch zeigen, wie rasch ich zu Dirnen und Würfelgeld kommen wollt'. Der Gehörnte soll euch Hirneitrige holen.«
Damit stürzte er wütig in sein Bretterhaus, und bald verriet ein unsinniges Sägen und Klopfen, wie der Wahnwitzige es abermals versuchte, in rasendem, zwecklos verdampftem Bemühen den Hausrat für das ersehnte Weib zusammenzuschlagen.
Der alte Isaak jedoch umspannte seinen Spaten gewaltsamer, und ihn beschwörend gegen die Burg ausreckend, stammelte er fanatisch:
»Bleib fest, du Sohn Davids, bleib fest.«
In einem der gewölbten Spitzbogenzimmer der Brokefeste durchmaß derweil der Störtebecker mit seinen weiten, beschwingten Tritten den teppichbehängten Raum, und jedesmal, wenn er den derben Eichentisch erreichte, dann fegte er mit der Faust über allerlei Feldabmessungen, die auf der Platte mit Kohle verzeichnet standen. Bis er endlich aufatmend zu seinem Gast, dem Propst Hisko van Emden, hinüberrief:
»Die Erde ist verteilt, genug mein heiliger Freund, laß uns jetzt den Schmutz des Feldes abwaschen! Mir wenigstens stehen Torf und Moor bereits bis an den Hals. Dafür soll uns aber auch gleich ein Wunder von einem Frankenwein erquicken. Munter, wir wollen dem Bacchus eine Messe zelebrieren.«
Aufgeräumt eilte er bis zur Tür, um einen Befehl herauszurufen.
»Laudabiliter,«[[*]] schmunzelte der Dicke, der enggezwängt in seinem Armstuhl hing und sich nun erwartungsvoll über die wulstigen Lippen strich. »Du hast recht, schöner Jüngling. Sine Cere et libero friget Venus[[**]].« Allein, plötzlich besann er sich, denn der zweite Gast am Tisch des Admirals, ein käsig gelber, langaufgeschossener Mensch, dem als einziges Zeichen des Lebens nur eine glühende Trinkernase aus dem Gesicht funkelte, er hatte sich eben verstohlen geräuspert, so daß Probst Hisko aufmerksam wurde. Schwerfällig und ermüdet streckte der Dicke beide Beine von sich. »Verzeih noch ein Weilchen, Herrlicher,« forderte er den rückkehrenden Störtebecker auf, »aber da du vor allem ein Vater der Deinen bist, so mußt du vor eigener Letzung, so beschwerlich es ist, mit anhören, was dir mein Converse,[[***]] der Jonkher van Sissinga, über die Roggensaat anzuvertrauen hat.«