»Du tust uns unrecht, Herrlicher, da du dich vielmehr selbst anklagen solltest. Muß ich dir sagen, die Deinen verstehen nichts von Landwirtschaft?«
»Recte«, bestätigte Hisko, da in ihm die Hitze sowie die Überlegenheit des kundigen Ackermannes erwachte, »die Buschklepper – verzeihe – ich meine die Ansiedler, wissen nicht mit der Wurfschaufel umzugehen. Dadurch streuen sie die Körner nur obenhin in die Furchen, so daß es ein Jammer ist.«
»Und der rauhe Wind und die Feldmäuse vollenden das übrige,« ergänzte der Sissinga.
Verbissen wandte sich der Störtebecker wieder an den Tisch. Allein kaum hatte er ihn erreicht, so stieß er mit dem Fuß gegen die Querleisten, daß das Holz zitterte und stöhnte.
»Kommt zum Geschäft, ihr Edlen,« meinte er äußerlich gelassen, im Innern aber bereits wütend, weil die beiden Berufsmenschen es wagen durften, ihn ungestraft schrauben und übervorteilen zu wollen. »Wo bleibt der Handel? Wie verhält es sich mit dem Gewinnst? Was wollt ihr in euren Beutel streichen?«
Vorwurfsvoll schluckte der Jonkher noch ein paarmal, bevor er endlich in seinem ehrbarsten Baß auseinandersetzte, er wüßte an der holländischen Küste einen Platz, wo der Störtebecker drei Schiffslasten Roggensaat, und zwar viel wohlfeiler als im Brokmerland einhandeln könnte. »Und ich rate aus ehrlichem Gemüt – – – «
»Einverstanden,« winkte der Admiral ungeduldig mit beiden Händen, der sich inzwischen auf einen Stuhl geworfen hatte und voll Erleichterung den Ausweg aus diesem zerklüfteten Gebiet sich öffnen sah. »Wozu das lange Geplärre? Könntest schon längst beim Wichmann im Hafen sein. Soll sogleich mit drei Schiffen absegeln. Und das Geld – « er schleuderte das Unwillkommenste wie einen Stein von sich – »laß dir von Licinius zahlen.«
»Deine Weisheit trifft immer das Rechte,« verabschiedete sich der Converse unter einer tiefen Neigung und ging.
Der Wirt blieb mit seinem geistlichen Freunde allein. Bald ging das dumpfe Scharren der Weinhumpen über den Tisch, ja, der Freibeuter, in einem Anfall unbegründeter und deshalb um so grellerer Heiterkeit, schlug während des Zechens einen hellen Singsang an. Doch merkwürdig, es war das alte, tumultuarische und sinnenfreudige Schuimerlied, das die freiesten und sonnigsten Tage des Seehelden begleitet hatte.
»Vom Mast die schwarzen Flaggen wehn –
Der Störtebecker ist Kapitän.«