»Herr,« holte der herkulische Schiffer langsam und wie nach sorgfältiger Überlegung aus sich hervor. »Dein Wille war wohl gut. Aber es nützt nichts. Es liegt an uns. Wem erst einmal das Brandmal des Unrechts und der Ausgestoßenen eingesengt wurde, des Blut ist vergiftet, so daß er zu nichts anderem mehr taugt als zum Würgen, Brennen, und Racheüben. Sieh dich um, all diesen schmeckt die Arbeit bitter, denn wir lieben das Leben mit seinen Schmerzen nicht, sondern wollen es eher um und umkehren, damit es ein Ende nimmt. Bevor dies nicht geschehen, bleibt doch überall ein Hoch und Niedrig, wie du uns selbst dafür ein Zeichen bist.«
Der Sprecher reckte den Hals vor, und in seine Glieder geriet wieder das merkwürdige Verlangen nach Tanz und erzwungenen Sprüngen. Leidenschaftlicher fuhr er fort:
»Deshalb sind wir uns alle einig geworden, alle, alle, daß wir uns fürder nicht länger von dir ins Joch spannen lassen mögen. Sondern wir wollen als Schwarzbrüder, als schweifend Volk noch heute nacht auf die Schiffe gehen, und du wirst uns führen, Claus Störtebecker.«
In dem Haufen begannen plötzlich wüste, jauchzende Stimmen zu singen:
»Vom Mast die schwarzen Flaggen wehn,
Heißa – heißa.
Claus Störtebecker ist Kapitän.«
Doch mitten in der Melodie schnellte der schmächtige Arnold Frowein mit einem windschiefen Satz aus ihren Reihen, und während die tiefen Falten in seinem Antlitz unnatürlicher als je grinsten, da meckerte der ehemalige Töpfer:
»Weißt was Neues, Claus Störtebecker? Hast uns belogen und betrogen! Hast uns den Brief des Gödeke Michael verheimlicht. Wir kennen deine Pfiffe. Wir aber wollen uns zu ihm durchschlagen, um wieder lustig Gericht zu halten. Wir möchten Nacken brechen hören und Brustkörbe verröcheln. Gericht – Gericht!«
Und aus dem Haufen schlug es jetzt toll und grölend gegen den Nachthimmel:
»Dort richtet die Reichen an Leib und Seel,
Der Gödeke – Gödeke Michael.«
»Führt ihn fort,« befahl der Steuermann Lüdeke Roloff, auf den Störtebecker deutend, »und haltet ein wachsam Aug' auf ihn. Die Torheit liegt hinter uns.«