Mit einemmal richtete der Würdenträger ein paar stahlblaue Augen auf den Freibeuter, und in diesem Blick wohnte etwas so Kaltes, Abschätzendes, daß den Fettwanst zu frösteln anfing. Auch behagte es ihm wenig, daß man ihn nicht zum Sitzen einlud, obwohl man einen mächtigen Lederstuhl hinter ihn geschoben hatte.
»Wer bist du?« hob der Bürgermeister ruhig an.
»Ich?«
Der Dicke gab sich ein Ansehen. »Ich bin der Hauptmann Wichbold,« pustete er sich auf, faltete aber zugleich demütig die Hände über dem Leib, »ein Knecht Gottes, der mit Freibriefen von Rostock und Wismar die gute Stadt Stockholm entsetzte. Zuletzt führte ich zu Nutzen des gemeinen Mannes die ‘goldene Biene’.«
Das unbewegte Antlitz des Hamburger Gebietenden veränderte sich nicht im geringsten bei dieser harmlosen Schilderung; gleichgültig in ein paar Pergamenten stöbernd, erwiderte er:
»Ich kenne deine Taten. Du kommst vom Störtebecker.«
»Den Gott verdamme,« schaltete hier der Hauptmann ein, indem die roten Narben zwischen seinem grauen Haarwulst aufzuglühen schienen. »Möge dieser Leuteverderber ein unrühmlich Ende finden.«
»Was weiter?« drängte der Bürgermeister, eine große Schwanenfeder putzend.
Jetzt sah der Dicke ein, daß er seine Karte spielen müsse, wenn er nicht jede Bedeutung oder Wichtigkeit verlieren wollte. In heiliger Entrüstung wiegte er deshalb sein plumpes Haupt, und seine aufgeworfenen Lippen zuckten vor innerer Bedrängnis, als er zerknirscht anhob:
»Euer Würden, nicht jedem sieht man an, welchem Herrn er dient. Der meine – gelobt sei sein Name in Ewigkeit – hat mich nicht umsonst durch Undank und Schmach gewälzt, durch Eiter und Schwären, so daß meine Seele bereit ist zu Besserung und Einkehr.«