»Du liebe Not, weil du doch aus meinem Blut bist.«
Der Riese hob das Haupt. Der Ton klang anders, als all das, was er bisher vernommen. Lag auch etwas darin, was ihn an die Sehnsucht dieser Nacht erinnerte. Lange suchte er in jenen ernsten bekümmerten Lichtern, und siehe, er fand darin all das geduckte Leid, um dessentwillen er einst ausgezogen, um es zu lindern.
Und dies Leid währte ewig?
Zögernd nur trennte er sich von dem wortkargen Weibe, und als er nun ihren Begleiter streifte, da geschah etwas Wunderliches. Mitleidig richtete sich Abt Franziskus auf, und jene welke Hand, die schon den Eintritt des Fischerbuben liebreich begrüßt hatte, obwohl er nach dem Glauben der Zeit doch nur ein Sohn der Erde[[*]] war, sie zog jetzt schweigsam die Linien des Kreuzes.
[[*]] Hutten nennt noch jene Kinder so, die weder Vater noch Mutter kennen.
Der Priester segnete den Scheidenden.
Aber der Störtebecker lachte schrill auf.
»Spar deinen Kram, alter Mann,« rief er schneidend, »hab gestern erst einen von deiner Kumpanei weggejagt. Wo ich hinfahre, fährst auch du hin. Glaub mir, wird keiner mehr von dem Fährmann nach Ölung und Sakrament gefragt.«
Damit wollte er grußlos fürbaß schreiten, als sich von neuem das Außerordentliche wiederholte. Noch entschiedener reckte der Priester die weiße Hand und segnete abermals. Dem Schuimer gab es einen Schlag.
»Weißt du nicht,« sprach er finster, indem er sein glühendes Auge jetzt voll auf den Alten richtete, »wem du dein Heil spendest? Hast du mich nicht selbst bei Hurerei und Raub betroffen? Ich sage dir, der Leichenhügel, den ich meinem Wahn türmte, er ragt weit höher als der Trauerberg, dem sie mich jetzt zuführen. Weiche darum von mir, damit sich dein Gott nicht entsetze!«