»Hat der Heiland das selbst geschrieben?« forschte er ungläubig.

Ehrlich schüttelte der Bruder das feine Haupt. An den ergrauten Schläfenhaaren perlte ihm der Schweiß.

»Der Heiland schrieb nicht,« bekannte er, und wieder entfuhr ihm die Antwort gegen seinen Willen, wie ein Hund, der von einem Mächtigeren gelockt wird. »Seine Lehre ging durch viele Hände.«

»Dann taugt sie auch nicht mehr für eine späte Zeit,« bestimmte der Junge nun fest und mit furchtbarer Überzeugung, »abgestandenes Wasser macht krank.«

»Nikolaus,« jammerte die Mutter, und in ihrem überwältigenden Grauen meinte sie, in der Ecke hocke ein höllischer Dämon, der mit seinem schwarzen Spieß gegen ihr Herz und das innerste Gefüge der Welt ziele. Und doch, der Dämon war noch immer schön und herrlich. Auch der Vater stieß jetzt ein wundes, banges Röcheln aus. Und nur der Mönch lehnte schweigend und starr auf seinem Stuhl, denn der Fels seines Glaubens wuchs unter ihm, so daß die wilden Strudel ihn nicht erreichten.

»Sündige weiter, Korah,« sprach er fest.

Von den Feuern des Kamins jedoch tönte ein spöttisches Kichern, und dadurch gereizt, brach es aus dem Abtrünnigen ohne jede Rücksicht hervor, die Leidenschaft zu herrschen und andere nach seiner Überzeugung zu formen, schlug Flammen:

»Ist Gott reich oder arm?«

»Reich,« entgegnete der Geistliche schwach.

»Ist der Kaiser reich oder arm?«