Aber dort auf dem Schragen? Öffneten sich nicht ein paar glanzlose Augen? Der tote Silberschein eines geschlagenen Fisches konnte nicht entseelter zu ihnen herüberglotzen, und so eifrig auch der Betörte sein Haupt hinter den Schultern des Mädchens versteckte, das blinde Metall jenes Blickes schmolz durch die lebende Hülle hindurch.
»Dirn, nun hab dich nicht länger. Die Alte tut dir nichts.«
Am Fußboden schnupperten die beiden Doggen lebhafter, sie wurden unruhig, schlugen an und prallten dann vor dem Ansturm des Tageslichtes zurück, das zu der geöffneten Holztür hereinschoß. Eine hohe, dunkle Gestalt zeichnete sich schwarz gegen die Helligkeit ab.
Da rang sich zum erstenmal ein Laut von den Lippen, die aus Furcht vor dem Junker, aus Scheu vor seinem fremden Glanz und versiegelt von seiner stürmischen Zärtlichkeit bisher der Stummheit verfallen waren.
Ein Schrei gellte gegen die Decke und wurde von dem Querbalken zurückgeworfen: »Claus!«
Dann wurde es wieder still. Ängstlich, betörend still. Man hörte nur, wie das Röcheln der Kranken durch den Raum sägte.
Endlich raffte sich der Junker auf, langsam, unsicher, denn ihn verwirrte nicht nur der Anblick des Mädchens, das beide Hände vor ihr Antlitz geschlagen hielt, nein, auch die unselige Scham des Ertappten, in seinen brennendsten Wünschen Gehinderten fraß bissig an seinem Hochmut. Dazu empörte ihn immer wilder das rätselhafte Schweigen dieses vermaledeiten Sassentölpels, der bleich und atemlos vor ihm stand, als hätte sein zuckendes Maul einen Richterspruch zu fällen.
»Was soll's?« fuhr plötzlich der Jäger in die Höhe und riß mit einem Griff seine Armbrust an sich. »Weshalb arbeitest du nicht, du Flegel? Was hast du hier herumzulungern? Weißt du nicht, was dir gebührt?«
Ja, der große, schlanke Bursche wußte wirklich nicht mehr, welchen Platz er in der Welt einnahm. In diesem Augenblick empfand er nichts als das ungeheure qualmige Zusammenbrechen all seiner kindlichen Träume, die so lange und zärtlich von seinen Eltern und dem guten Mönch genährt und behütet waren. Nichts – nichts – die Träume hatte ein Lügner so bunt und herrlich angestrichen, auf der Erde tobte lediglich Gewalt, und nur Gewalt konnte das rasende Wüten der Mächtigen brechen.
In die weit aufgerissenen Augen des Jungen sprang ein merkwürdiges Wandern und Schielen, und obgleich der lange Leib sich kaum bewegte, so bemerkte sein Gegner doch mit Grauen, wie die Finger des Burschen wie im Krampf sich öffneten und wieder schlossen.