Da regte sich Johanna zum erstenmal. Jedes Bewußtsein war von ihr gewichen, sie hörte nur immerfort dasselbe wilde Summen, das, solange sie hier weilte, beständig durch ihr Denken trommelte. Abwehrend griff auch sie nach dem Rahmen, und die Hände der beiden Menschen schlossen sich umeinander.

»Sie sollten diese eine Nacht noch bleiben,« murmelte sie mit einem irren Lachen.

Was dann folgte, wußte sie nicht mehr.

Der Fürst starrte sie eine lange Zeit verständnislos an, dann nahm er langsam seine Mütze vom Haupt, zuckte die Achseln und ließ sich müde, geistesabwesend von neuem an dem Tisch nieder.

Er wartete.


An dem Fenster ihres verschlossenen Schlafzimmers lauschte Johanna in die Dunkelheit. Hinter ihr in dem schmucklosen Raum herrschte vollkommene Finsternis, denn in ihrer angstgeschüttelten Verwirrung hatte die Gutsherrin nicht gewagt, ein Licht zu entzünden. Nun fing das harrende Weib jeden Laut auf, der von dort hinten herüberdrang, wo sich vor ihrem geistigen Auge die dichte Wand der Wälder dehnte.

Von dorther mußten sie kommen.

Die Befreier, die reinen und hellen, die sich selbst zur Bürgschaft einsetzten für das Gelübde, das sie der Heimat verpfändet. Todesschreie würden gellen, ein roter Sprühregen zischen, und doch – ihr Handel war gut und recht, und das tiefste Empfinden, die heißeste Sehnsucht eines Volkes sprach ihn heilig.

Aber sie, die hier am Fenster lauerte, was verübte sie inzwischen? Durfte sie den Plan, das trügerische Gespinst auch für rein und hell ausgeben, in dessen Maschen sie einen seiner Kraft und wohl auch halb des Verstandes Beraubten einzuschnüren suchte?