Hedwig und der Pächter befanden sich wieder allein.
In den ersten Stunden konnte Hedwig ihr Herz klopfen hören, so hell und erwartungsvoll pochte es. »Was nun wohl folgen würde?« dachte sie. – Der Weg war frei, die Last abgeschüttelt, versunken, endlich gab es nichts Trennendes mehr zwischen ihnen, und mit verzehrender Gewalt verlangte es sie danach, daß der starke Mann sie nun in die Arme nehmen und sie küssen und wiegen sollte, noch zärtlicher und glühender, als vor wenig Tagen, da Else darüber gestorben war.
Aber der Tag verfloß, ohne daß der stille Mann von ihr etwas verlangte oder begehrte; schweigend nahm er die Mahlzeiten ein, stumpf und trübsinnig brach er des Abends auf, um sich in seine Kammer hinauf zu begeben.
Er hatte während der langen Zeit nicht ein Wort mit dem Mädchen gewechselt. Wie ein Alp bedrückte es bereits ihre Brust.
Schon befand sich die große gebeugte Gestalt an der Tür, da rief ihn Hedwig atemlos an.
»Wilms.«
Er blieb stehen, hob aber nicht den Blick.
»Willst du – willst du morgen nicht auf deine Felder gehen?«
Der Landmann nickte gleichgültig und legte die Hand auf die Türklinke.
Jetzt würde er verschwinden.