»Da is uns’ Herr,« sagte der Knecht endlich erleichtert, als er des Bauern und seines Begleiters ansichtig wurde. Wilms kam schwerfällig näher, seine Gestalt sank immer mehr zusammen, als ob auf seinem Nacken sichtbarlich eine allzu schwere Last gelegt sei, und auf der Stirn perlten große Tropfen. Mit flüsternder, heiserer Stimme bat er den Beamten, mit ihm in die nächste Scheuer zu kommen. – Nur nicht hier – hier könnte man die Kranke stören, sie dürfte ja von nichts wissen; das könnte ihr den Rest geben. »Ich bitt’ Sie, kommen Sie mit mir – ein paar Schritte.«
Jedoch der Gerichtsvollzieher hielt das für überflüssige Zeitvergeudung. Er knöpfte seinen Rock auf, nahm ein gestempeltes Papier heraus, das er prüfend überflog, und während er sich dazu wohlgefällig und amtswürdig seinen militärischen Schnurrbart strich, las er trocken vor: »Beauftragt vom Grafen Brachwitz auf Boltenhagen – Zahlung der rückständigen Pacht vom 1. April – 3600 Mark – – nicht eingegangen – hm – vorzunehmende Zwangspfändung.«
»Was? Vom April sind Sie dem Grafen noch schuldig?« warf der Viehhändler dazwischen.
Der Gerichtsvollzieher faltete das Blatt wieder zusammen und pflanzte sich vor dem Besitzer auf:
»Können Sie zahlen, Herr Wilms?« fragte er prompt.
»Nein.«
»Na, dann muß ich anfangen. Nehmen Sie’s nicht übel.«
»Aber – wenn Sie mir nur – nur bis morgen Zeit lassen wollten,« stöhnte Wilms und legte sich die Hand vor die Stirn. »Nur bis morgen – ich könnte mich ja noch an jemanden wenden. – Ich hatte in der letzten Zeit mit meiner Frau so viel – aber es ist doch vielleicht noch möglich.«
»Tut mir leid – strenge Ordre.« Der Gerichtsvollzieher knöpfte dabei seinen Rock zu und wandte sich an den Knecht.
»Wollen gleich mit dem Vieh anfangen,« befahl er kurz. »Wo haben Sie die Schweine?«