»Aber Line?«
»Ja, die is nu all seit zwei Jahren bei einer Cousine von Hollander in der Stadt. Dewitz, glaub' ich, heißt das olle Fräulein. Bei die ist sie ja woll so ein Stück Gesellschafterin, und die Alte soll ihr ja noch immer weiter unterrichten und hellisch fein machen.«
»Line muß doch bildschön geworden sein?«
»Schön?« Der Alte begann zu kauen und grinste. »Je, darin seid ihr alle ja so furchtbar dumm. Sie ist in den Brunstjahren.«
Hier unterbrach ich den Alten und fragte nach Bruno.
Der arbeitete bereits seit drei Jahren in einer Filiale des Konsuls in Hamburg. Aber jetzt mit dem neuen Jahr sollte er zurückkommen. »Das is en pikfeiner Bengel geworden. Mit Prinz-Albert-Rock und weite Hosen und braune Glacés!«
»Und Paul?«
Chronos schüttelte sich. Die Art mochte er nicht leiden. Der Kandidat hatte sich richtig mit Privatstunden durchs Examen gehungert. Von keinem hatte er etwas angenommen. Jetzt harrte er der Anstellung. »Ein richtiger Schwarzrock,« knurrte der Mistkutscher.
»Achtung!«
Wir kamen über die Moorluker Brücke. Und plötzlich legte mir der alte Gott seinen Arm um den Hals, daß eine niegefühlte Kälte durch meine Brust schnitt, und flüsterte mir ins Ohr, als gälte es ein Geheimnis: »Jünging, die Brunstjahren, vor die hüt dir, das sind die stärksten, da hab' ich meinen meisten Spaß dran. — Dann kommen die Schaffensjahren, und ganz zuletzt, zu allerletzt die Wartejahren. Weißt du, was die sind? Dann is es richtiger Winter, und ich komm' wieder angefahren und hol' dich ab, aber dahinten — kuck, hier.«