Jetzt griff auch das Mädchen nach dem Pfahl, und da standen sie nun, wie Kinder, die Ringelreihen spielen wollen.
»Hann,« flüsterte sie mit ihrer wohllautenden Stimme, »sag' die Wahrheit, hast du mich lieb?«
Der Bursche stockte, er setzte zweimal an, bevor er das Wort fand: »Ich bin dir sehr gut, sehr gut, Klara, weil, ja weil du selbst so gut und ruhig bist — Und du?«
»Ich?« —
Nun errötete sie und zupfte an ihrem Korb. »Ich hab' dich auch sehr lieb, weil du's so treu und ehrlich meinst, Hann.«
»Oh, — Klara, das is schön von dir — das — das hätt' ich wirklich nich geglaubt, weil ich doch noch gar nichts bin, aber von jetzt an will ich mir Mühe geben, so, und nun nimm auch den Ring — nein, nich umarmen, das is unpäßlich auf der Straße; und hier kommt auch schon der Zug.«
Und als er sie unbeholfen mit einem ritterlichen Versuch in den Waggon gehoben, und als das Abteil ganz leer war, und der Zug polternd durch die Dunkelheit weiterrollte, da beugte er sich zu ihr und sagte feierlich und ernst: »Nu küss' ich dich als dein Bräut'jam, Klara.«
Leise zitternd hob sie ihre Lippen zu ihm empor.
Beide schwiegen.
Und erst nach geraumer Zeit ermannte sich Hann zu dem Satz: »Und im ganzen bin ich dir nun achtzehn Mark schuldig.«