Oll Kusemann legte dem Burschen, der tiefsinnig auf das zertrümmerte Brückenwerk hinübersah, salbungsvoll die Hand auf die Schulter.
»Hanning, der Mensch soll für seine Mitmenschen was tun. Nich so?«
Aber der lange Lehrer Toll, der für seinen künftigen Eidam fürchtete, drängte sich aufgeregt und gestikulierend dazwischen: »Schön, Herrschaften, aber das ist ja der reine Unsinn. Es ist doch man einer, der seinen Verstand nicht voll hat.«
»Seinen Verstand nich? Wieso?« sprach Hann Klüth, indem er immer noch nachdenklich zu Boden sah. »Ich frag man, hat er sich nich auf den einzigen Balken gesetzt, der noch steht? Und spielt er nich mitten in den Tod ein geistliches Lied? Wenn er das mit einem kranken Verstand tut, was würd' er erst mit einem gesunden tun? Ne, ich hab' mich all ümmer gedacht, wir verstehen ihn bloß nich. — Um den wär's schad'.«
Mit einer schnellen Bewegung ließ er sich über das Bollwerk gleiten, in ein Boot hinab, das bereits halb voll Regenwasser stand.
Ihm nach kletterte noch eine zweite herkulische Gestalt, der taubstumme Riese Muchow, dem die Sache großen Spaß zu bereiten schien: »Hü — hü,« schrie er erregt und zeigte auf das Pfahlwerk.
Und kaum war das Boot losgebunden, so ward es von der Wucht des Stromes in einer Sekunde gegen den aufragenden Balken geworfen, so daß alle Rippen krachten. Im nächsten Augenblick jedoch umklammerte Hann bereits den Pfahl, zog den Musikanten, der gleichgültig alle Vorbereitungen mitangesehen, an den Beinen in das Fahrzeug und stieß darauf mit so gewaltiger Kraft von dem Balken wieder ab, daß der Nachen knirschend auf den Ufersand schoß.
»Hurra!« schrien die Moorluker entzückt.
Der Taubstumme umklammerte den Harmonikaspieler, hob ihn in die Höhe und warf seine Ladung gleichmütig wie einen Sack ans Land.