»Je, Madamming, nehmen's nich übel — aber sie nehmen keinen Unverheirateten auf.«
»Huch,« rief die Witwe tief erschrocken.
Was der Bootsmann da vorbrachte, bedeutete ja eine Gefahr für das verwaiste Häuschen. Ein Fremder würde sich ihrer sicher nicht annehmen, und die paar Groschen, die ihr armer seliger Mann erübrigt hatte, ja, du lieber Gott, die reichten gerade für ein halbes Jahr.
»Strull — strull.«
Und dann das Studium von Paulen — und Bruno mußte erst Kaufmannslehrling werden (Ladendiener nannte es Frau Klüth). Gott — o Gott, die offenste Angst sprach sich in dem ältlichen, so merkwürdig glatten, ausdruckslosen Weiberantlitz aus. Und wenn nun Siebenbrod sie auch noch im Stich ließ? Vielleicht besaß er bereits eine Braut? Ja, dann saß sie ja ganz hilflos mit zwei alten Booten und vier unversorgten Menschen da!
Was war hier zu tun? Sie wurde sehr nervös, und ihre Gedanken schwenkten immer rechnender von dem Toten zu dem Heute zurück.
»Hat Er denn schon eine?« begann sie plötzlich überstürzt, und als Siebenbrod ein wenig verlegen vor sich hinnickte, setzte sie halb weinend hinzu, warum er das denn nicht schon früher geäußert hätte.
An der Kuh wurde lebhaft gerissen. Schmerzlich brüllte das Tier auf. —
»Muh!«
»Je, Madamming,« sagte Siebenbrod schon etwas sicherer, »ich dacht mich auch, es hätt' bis nach dem Begräbnis Zeit.« Und während er den wolligen Zylinder etwas langsamer drehte, fügte er noch ehrbarer bei: »Denn vorher schickt sich das doch wohl nich gut?«