Da schlug sie bereits ungeduldig auf das Kissen. »Oh, nur so.«
»Ganz leicht is es, Lining — ganz leicht,« fiel er wieder ein, »aber freilich mit Strafen und Zuchthaus nich.«
»Wodurch denn?«
»Lining, ich muß immer an Mudding denken, wieso die so gut war. Beinah all bei lebendigem Leib ein Engel. Pastor Witt aber hat's am Grabe erklärt. Weil sie gar keine Gedanken an sich selbst hatte, sondern weil sie nur den ganzen Tag saß und an uns andere dachte. Siehst du, Lining, darin steckt's. Ein schlechter Mensch kann wohl einen neuen Menschen anziehen, i ja, aber dann muß er erst an sich selbst vergessen, über Bord mit allem, und muß irgend eine Liebe haben, zu 'ner Sache oder zu 'nem andern Menschen. Und wenn er dann ganz voll davon is, dann is das Neue in ihm reingekommen, dann is er verwandelt. — So hab' ich Pastor Witt verstanden.«
Das Mädchen war aufgesprungen.
»Eine Liebe?« sprach sie erschreckt nach. Eine düstere Röte lief über ihre Stirn.
»Ja, Lining, so erklär' ich mich das,« schloß er glücklich, während er sich die Hände rieb.
Da wandte sie sich mit einer ihrer raschen Bewegungen, die aber doch bereits schwerfälliger wurden, zum Fenster, und während sie in den stäubenden Schneesturm hinausstarrte, verschränkte sie beide Hände vor der Stirn, um darauf in ein so schmerzliches Stöhnen aufzubrechen, daß er sich entsetzte.
»Eine Liebe,« stammelte sie vor sich hin, »o Gott.«
»Lining — Lining — is dir was?«