§. 38.
Eine Sache die noch so neu ist wird mit der Zeit alt. Alle Dinge in der Welt sind der Vergänglichkeit unterworffen, und ein Schertz mag noch so feurig seyn, so wird er mit der Zeit frostig. Folglich muß ein Spaß nicht zu oft aufgewärmt werden. Wenn ein Schertz das erstemal noch so schön gerathen, so wird er das andre mal schon viel von seiner Lebhaftigkeit verlohren haben, und noch mehr wenn man ihn zum dritten mal hört. Man kan einen Schertz mit der Zeit ohne Bewegung anhören, über welchen man sich das erstemal aus dem Othem gelacht hat, und man verwandelt endlich sein Wohlgefallen über den Spaß, in eine Verachtung desjenigen, der sich erkühnt uns mit einerley so oft zu unterhalten.
Ridetur chorda qui semper oberrat eadem.
Hor. art. poet.
Ein solcher Schertz wird mit der Zeit gar zu bekant, und man hat grosse Ursach zu glauben, daß ein scharfsinniger Witz nicht eben gar zu groß und fruchtbar seyn müsse, der sich durch einen einzigen glücklichen Schertz erschöpft zu haben scheint, weil er immer denselben und keinen neuen vorträgt. Ja der, so diesen Fehler in Schertzen begeht, bezeigt gar zu wenig Hochachtung gegen seine Zuhörer. Er glaubt entweder, daß sie kein gutes Gedächtniß haben, und daß ihnen also einerley Sache immer neu bleiben müsse; oder daß sie nicht witzig genug gewesen, seinen Spaß schon hinlänglich zu verstehen; oder daß sie gar zu flatterhaft sind, und die schlechteste Ursach zum lachen ergreiffen, sich lustig zu machen. Alles dieses wird dem Schertzenden sehr wenig Hochachtung bey seinen Zuhörern zu wege bringen. Nein, ein Schertz der einmal geglückt, muß Zeitlebens nicht wieder vorgetragen werden. Oder, will man mehr Gelindigkeit von mir fodern, so kan ich zwar die Zahl der Wiederholung nicht bestimmen; doch, nach meinem Geschmacke, gefält mir ein Schertz noch ziemlich, den ich zum zweyten oder dritten mal höre, wird er mir aber zum vierten oder fünften mal gesagt, so erweckt er in mir entweder Gleichgültigkeit, oder Verdruß. Das, was ich jetzo von Schertzen gesagt habe, kan man auch von einem jeden artigen Gedancken und Einfalle sagen. Ein Schriftsteller, der eine gewisse Anzal artiger Einfälle zu haben scheint, die er so oft vorbringt, als er redet oder schreibt, scheinet mir einen sehr eingeschränckten Vorrath davon zu besitzen, und macht seine Schrift, bey vernünftigen Lesern eckelhaft.
§. 39.
Ich kan mich hier nicht enthalten einen Fehler anzumercken den manche, die mit Gewalt, es koste was es wolle, lustige Gesellschafter seyn wollen, begehen. Sie samlen sich einen ziemlichen Vorrath kleiner poßirlichen Histörchen, die sie in allen Gesellschaften mit einer kützelnden Zufriedenheit erzehlen. Sie haben ihren eigenen Witz dergestalt verwöhnt, daß sie nicht lustig seyn können wenn sie diese Lappalien nicht vortragen. Und wer solche Leute kennt der pflegt, so bald sie den Faden ihrer Geschichte anfangen, zu sagen, ja ja! nun kommen die Historien, nun werden sie aufgeräumt. Ich will nicht sagen, daß es unverschämt gehandelt sey, eine gantze Gesellschaft mit Dingen zu unterhalten, die man ihnen wohl tausendmal gesagt hat. Ich sage nur, daß dis ein Zeichen eines sehr matten und frostigen Witzes sey, wenn man einerley schertzhafte Einfälle, so oft wiederholt. Wollen diese lebendigen Chronicken etwa einwenden, daß die Gesellschaft gleichwol lache, so bitte ich sie achtung zu geben, ob ein solches lachen nicht vielmehr eine erzwungene Höflichkeit sey, die man ihnen beweißt, weil man sich doch genöthiget sieht, mit ihnen umzugehen. Wenn sie sich die Mühe nehmen wollen diese Beobachtung zu machen, so werden sie gewahr werden, daß mancher über ihre Erzehlungen lacht, indem er mitten im Gähnen begriffen war. Doch kan es seyn daß sie sich in Gesellschaft mit Leuten von frostigen Witze und üblen Geschmack befinden, und alsdenn versichere ich ihnen, daß diese lachen werden, und wenn sie ihre Historien ihnen noch tausendmal vortragen solten.