§. 90.

Wenn ein schertzhafter Kopf in den Gedancken steht, daß es sehr leicht sey, ein anständiges lachen zu verursachen; und daß man bey einem Spasse entweder allein, oder zuerst darauf zu sehen habe, wie man seine Zuhörer zu lachen machen wolle, so hegt er zwey sehr schädliche Vorurtheile.

-   Non satis est risu diducere rictum

Auditoris, & est quaedam tamen hic quoque virtus.

Hor. Sat. L. I. Sat. X.

Aus dem vorhergehenden erhellet eines theils, daß derjenige viele Scharfsinnigkeit und Witz besitzen müsse, der, ohne sich selbst lächerlich zu machen, andere Leute von feinem Geschmacke zum lachen bestimmen will. Andern theils ist ausgemacht, daß man hauptsächlich davor sorgen müsse, dem Schertze das gehörige Feuer zu verschaffen, so wird derselbe ohne dem werth seyn, mit lachen von andern angehört zu werden. Wer aber demohnerachtet die angeführten unrichtigen Sätze zu Maximen beym Spassen annimmt, der wird wo nicht beständig, doch mehrentheils, ein Harlekin seyn. Er wird alles zusammen samlen, was lächerlich ist, und er wird sich kein Bedencken machen, auch seine eigene Person als ein Mittel zu diesem seinen Zwecke zu brauchen. Das Lachen muß bey einem jeden Spasse zum Zwecke angenommen werden, und folglich in der Ausübung das letzte seyn, die übrigen Schönheiten müssen zuerst in dem Schertze hervorgebracht werden, hernach ist es erst Zeit auf die Hervorbringung des Lachens zu dencken.


§. 91.

Die letzte Schönheit eines glücklichen Schertzes besteht in einem geschickten Vortrage desselben. Man mag nun den Vortrag zu den wesentlichen Stücken eines Spasses rechnen, oder ihn nur als die Einkleidung desselben ansehen, so wird doch jederzeit auf den Vortrag des Schertzes viel ankommen, wenn er glücklich gerathen soll. Der Vortrag verhält sich wie die Einfassung eines Diamants, wodurch der Glantz desselben innerlich zwar weder vermehrt noch vermindert werden kan, wohl aber äusserlich; sie befördert und erhöhet den Glantz, oder erstickt ihn. Ein Schertz kan im höchsten Grade feurig seyn, wenn man ihn als einen Gedancken betrachtet, durch einen ungeschickten Vortrag aber dergestalt verunstaltet werden, daß sein Feuer umhült und unsichtbar wird. Im Gegentheil kan das Feuer eines sehr mittelmässigen Schertzes, vielmehr gläntzen, wenn es durch einen gehörigen Vortrag unterstützt wird.