Horat.

Wer demnach von Natur ein feuriger und aufgeweckter Kopf ist, wer die Gelegenheit gut in acht nehmen, und zu seiner Absicht geschickt anwenden kan, und die Wissenschaft zu schertzen versteht, dem bin ich gut davor, daß er glücklich im schertzen seyn wird.


§. 11.

Ich will nicht mehr versprechen, als ich zu halten mir getraue. Ich will nicht sagen, daß ich willens sey, eine Wissenschaft der Schertze zu schreiben. Sondern meine Absicht ist hauptsächlich, Regeln fest zu setzen, wonach die Schönheit und Häßlichkeit eines Schertzes beurtheilet werden kan. Diese Regeln machen entweder die Wissenschaft der Schertze aus, oder die letzte wird doch mit geringer Mühe, und einigen kleinen Veränderungen und Zusätzen, daraus fliessen. Meiner Einsicht nach glaube ich, daß die Regeln, wonach die Vollkommenheit einer Sache beurtheilt werden muß, einerley sind mit den Regeln, die beobachtet werden müssen, wenn eine Sache zu ihrer Vollkommenheit soll erhoben werden.


§. 12.

Weil ich zu furchtsam bin selbst zu schertzen, so werde ich mich sehr hüten, wenn ich ein Exempel anführen soll, welches doch selten genug geschehen wird, selbst zu spassen. Ich könnte zwar aus dem gemeinem Leben dergleichen erwählen, da man mehr als zu viel antrift, die fast zu einer allgemeinen Gewohnheit geworden. Allein da dieselben gröstentheils zu frostig und abgeschmackt sind, so würde ich meinen Lesern Verdruß erwecken, wenn ich sie ausdrücklich anführen wolte. Ich werde mich begnügen, meinen Eckel vor solchen ungeschickten Schertzen von weiten zu bezeugen. Noch eins habe ich zu erinnern. Wenn ich an einem Schertze was loben werde, so werden meine Leser die Gütigkeit haben, und nicht glauben, daß ich den gantzen Schertz billigte. Ein Schertz kan viele Vollkommenheiten haben. Die eine kan er besitzen, eine andere kan ihm fehlen. Ja ein Spaß kan mehr gut als böse seyn, und mehr böse als gut, jene können gebilliget werden, weil man doch in dem Reiche der Natur nichts findet das durch und durch gut wäre.

Vbi plura nitent - - non ego paucis

Offendar maculis, quas non incuria fudit,