Abb. 93. Moritz von Schwind: Das organische Leben in der Natur. (Fliegende Blätter.)

Ganz anders wie Harburger, ist der viel weniger beachtete Steub zu bewerten. Auch mir war er kaum aufgefallen, höchstens einmal von ihm eine kernige Bauernprügelei ([Abb. 108]), ein Jagdgehilfe, ein Holzschläger, ein Antiquar, der mitten in einem malerischen Durcheinander von tausend Dingen vor einem altertümlichen Schrank steht; aber im allgemeinen hätte ich diesen Künstler kaum bemerkt, bis ich zum erstenmale Originale von ihm sah und ihn in seiner ganzen Echtheit und künstlerischen Vornehmheit, Sicherheit der Zeichnung würdigen konnte. Heute, wo die Reproduktionstechnik so vorgeschritten ist, können wir ihn auch in der Vervielfältigung genießen. Auch bei Steub ist der Einfluß der Holländer und besonders Brouwers, der das wilde Leben der Bauern so dramatisch schildert, unverkennbar. Was an Steub erfreut, ist die impressionistische Zeichnung der Bewegung, Skizzen im Rembrandtschen Stil, ein kühner Zug, ein dramatisches Regieren der Massen. Wenn er eine Prügelei schildert, so stürmt alles auf den einen Punkt zu, konzentriert sich um das Hauptknäuel der Rädelsführer, und mit Fäusten und Stuhlbeinen und Maßkrügen wird da aufeinander losgeschlagen, daß man zu hören meint, wie es klatscht und kracht.

Abb. 94. Moritz von Schwind: Der Teufel und der Kartoffelwucherer. (Fliegende Blätter 1847.)

Auch Franz Stuck hat für die »Fliegenden« gearbeitet, so »Amors Mission in den zwölf Monaten des Jahres«, »Der Bauer in der Kunstausstellung«, sogar eine Sonderpublikation ist von ihm erschienen: »Hans Schreier, der große Mime«. Sie fand gerechterweise keinen sonderlichen Beifall.

Abb. 95. Wilhelm v. Kaulbach: Teil des Titelblattes zu Reinecke Fuchs. (Verlag der J. G. Cottaschen Buchhandlung, Nachf., Stuttgart.)